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	<title>The Flowers Are Gone &#187; Political Correctness</title>
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		<title>Mohren, Inuit und Schuhhersteller</title>
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		<pubDate>Sun, 26 Jul 2009 15:00:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Mathias</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Im Zuge der &#8220;Mohr im Hemd&#8221;-Debatte ist auch &#246;fters der Aspekt beleuchtet worden, dass schon der Firmennamen &#8220;Eskimo&#8221; ja eigentlich nicht ganz koscher sei &#8211; immerhin wei&#223; heutzutage bereits jedes Kind politisch korrekter Eltern, dass es sich dabei in Wirklichkeit um eine b&#246;se Diskriminierung n&#246;rdlicher V&#246;lker als &#8220;Rohfleisch(fr)esser&#8221; handelt. In unseren Kreisen wird demzufolge das [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Im Zuge der <a href="http://www.theflowersaregone.at/2009/07/zum-schwarzen-sommerloch/"  target="_blank">&#8220;Mohr im Hemd&#8221;-Debatte</a> ist auch &#246;fters der Aspekt beleuchtet worden, dass schon der Firmennamen &#8220;Eskimo&#8221; ja eigentlich nicht ganz koscher sei &#8211; immerhin wei&#223; heutzutage bereits jedes Kind politisch korrekter Eltern, dass es sich dabei in Wirklichkeit um eine b&#246;se Diskriminierung n&#246;rdlicher V&#246;lker als &#8220;Rohfleisch(fr)esser&#8221; handelt. In unseren Kreisen wird demzufolge das Wort &#8220;Inuit&#8221; als entsprechende Bezeichnung angeraten.</p>
<p>Interessant wird es f&#252;r den aufgekl&#228;rten Menschen jedoch, wenn er sich ein wenig auf Wikipedia umsieht. Dort ist n&#228;mlich Folgendes zu lesen:</p>
<blockquote><p>&#8220;Eskimo&#8221; ist eine urspr&#252;nglich von Cree- und Algonkin-Indianern verwendete Sammelbezeichnung f&#252;r die mit ihnen nicht verwandten V&#246;lker im n&#246;rdlichen Polargebiet. Das Wort soll sich nach Auffassung von Ives Goddard [...] etymologisch aus dem Cree-Wort &#8220;aayaskimeew&#8221; = &#8220;Schneeschuhmacher&#8221; herleiten.</p>
<p>Der Linguist Jose Mailhot aus Québec, der die Sprache Innu-Montagnais beherrscht, ver&#246;ffentlichte 1978 eine Untersuchung, in der er den Begriff aus dieser Sprache ableitet und mit &#8220;Menschen, die eine andere Sprache sprechen&#8221; &#252;bersetzt.</p>
<p>Die fr&#252;here linguistische Herleitung aus der Sprache der Anishinabe &#8220;ashkipok&#8221; = Rohfleischesser gilt heute als widerlegt und l&#228;sst sich daher nicht mehr vertreten. Diese fr&#252;here Worterkl&#228;rung f&#252;hrte bei den Inuit zur Ablehnung des Wortes &#8220;Eskimo&#8221;, da sie &#8220;Rohfleischesser&#8221; als abwertend empfanden.</p></blockquote>
<p>(<a rel="nofollow" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Eskimo"  target="_blank">Quelle mit weiteren Quellangaben</a>)</p>
<p>Aber selbst unter den n&#246;rdlichen V&#246;lkern scheint man sich mit der politisch korrekten Bezeichnung nicht ganz einig zu sein. So hei&#223;t es im Eintrag zu &#8220;<a rel="nofollow" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Inuit"  target="_blank">Inuit</a>&#8220;:</p>
<blockquote><p>Die Bezeichnung Eskimo(s) wird zwar h&#228;ufig im selben Wortsinn angewandt, doch handelt es sich streng genommen hierbei um einen Oberbegriff, der auch entfernter verwandte arktische Volksgruppen mit einbezieht. Hingegen ist der Begriff &#8220;Inuit&#8221; deshalb f&#252;r &#252;bergeordnete Verwendung wenig geeignet, weil er nicht im Wortschatz aller im Umkreis des Nordpols lebenden eskimoischen Volksgruppen enthalten ist.</p>
<p>[...]</p>
<p>Die Verwendung des Begriffs &#8220;Eskimo&#8221; ist r&#252;ckl&#228;ufig, &#8220;Inuit“ ist jedoch kein Synonym. Daher hat sich &#8220;Inuit&#8221; als alternative Vokabel im nordwestlichen Kanada, in Alaska und auf der Tschuktschen-Halbinsel bislang nicht durchgesetzt: Die dort lebenden Volksgruppen haben die Vokabel nicht in ihrem Wortschatz; sie bezeichnen sich zwar ebenfalls als &#8220;Mensch(en)&#8221;, doch je nach Sprachgruppe mit den W&#246;rtern &#8220;Inupiat&#8221;, &#8220;Sugpiaq&#8221; und &#8220;Yupik“. Die Inupiat z. B. sehen sich nach wie vor als &#8220;Eskimo(s)&#8221; an und halten das keineswegs f&#252;r herabsetzend. Bei den im mittleren Norden und im Nordosten Kanadas lebenden Inuit sind die Auffassungen in dieser Frage dagegen unterschiedlich: W&#228;hrend die einen die Bezeichnung &#8220;Eskimo&#8221; als politisch inkorrekt einstufen und sich ausschlie&#223;lich als &#8220;Mensch(en)&#8221; (= Inuk/Inuit) bezeichnet sehen m&#246;chten, nennt sich die in Inuit-Besitz befindliche, international durch den Vertrieb von Inuit-Kunst bekannte Kooperative von Cape Dorset im Territorium Nunavut seit ihrer Gr&#252;ndung unver&#228;ndert &#8220;West Baffin Eskimo Cooperative&#8221;.</p></blockquote>
<p>Man merke: Als nicht betroffener Europ&#228;er kann man sich mit vermeintlich politischer Korrektheit ganz sch&#246;n vertun. W&#252;rde man hier dieselbe Taktik anwenden, die bei der Untermauerung von &#8220;Mohr im Hemd&#8221; als diskriminierende Bezeichnung verwendet wurde &#8211; n&#228;mlich die alleinige Berufung auf einen Sprecher der Black Community -, k&#228;me man, je nach Pr&#228;ferenz, zu zwei v&#246;llig verschiedenen Resultaten: Einerseits zu dem, dass &#8220;Eskimo&#8221; diskriminierend ist, andererseits zu jenem, dass es v&#246;llig in Ordnung ist, &#8220;Eskimo&#8221; als &#220;berbegriff zu verwenden und f&#252;r die einzelnen Volksgruppen dann spezielle Begriffe wie eben &#8220;Sugpiaq&#8221; oder &#8220;Yupik&#8221; einzusetzen.</p>
<p>Wie immer ist es also von Vorteile, verschiedene Meinungen einzuberufen und den Blick f&#252;r das Gesamte zu wahren. In dieser Hinsicht w&#228;re es also interessant, w&#252;rden sich andere Mitglieder der (sehr offenen) Black Community hinsichtlich des Mohrs im Hemd zu Wort melden. Erst dann l&#228;sst sich vern&#252;nftig debattieren, ob man &#252;berhaupt von einem &#8220;Diskriminierungsgef&#252;hl der Betroffenen&#8221; sprechen kann.</p>
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		<title>Zum schwarzen Sommerloch</title>
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		<pubDate>Fri, 24 Jul 2009 21:21:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Mathias</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>Das Sommerloch f&#252;llt derzeit eine Debatte, wie sie typischer nicht sein k&#246;nnte. Ansto&#223; des multimedial verbreiteten Aufregers ist eine Kampagne des Eisherstellers Eskimo, der seine neue Sorte &#8220;Mohr im Hemd&#8221; mit dem Spruch &#8220;I will mohr&#8221; vor allem &#252;ber Plakate bewirbt. (Der <a rel="nofollow" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Mohr_im_Hemd"  target="_blank">&#8220;Mohr im Hemd&#8221;</a> ist eine in &#214;sterreich weit verbreitete S&#252;&#223;speise und nicht etwa eine Kreation der Eisfirma.) Die obersten Moralw&#228;chter der Nation attestieren dem Mutterkonzern Unilever deswegen nun &#8220;Rassismus&#8221; &#8211; und ihre Thesen von der &#8220;sprachlichen Unterdr&#252;ckung&#8221; st&#252;tzen sie vor allem auf die Aussage eines selbsternannten Sprechers der Black Community, Simon Inou, der darin &#8220;eine der schwersten Beleidigungen&#8221; sieht. Auch die heimische Bloggergemeinschaft hat dementsprechend reagiert; so schrieb etwa Andreas Lindinger einen <a href="http://www.andreaslindinger.at/?p=792"  target="_blank">offenen Brief</a> an die Werbeverantwortlichen, den er mit S&#228;tzen wie &#8220;gerade in Zeiten steigender rassistischer und rechtsextremistischer Vorf&#228;lle in diesem Land w&#252;rde ich mir [...] erhoffen, dass [Unilever] den Mut aufbringt, sich seiner gesellschaftlichen Verantwortung zu stellen.&#8221; Also so, als ob das Unternehmen quasi mit schuld daran w&#228;re, dass in &#214;sterreich echte rassistische Verbrechen geschehen oder aber diese tolerieren oder f&#246;rdern w&#252;rde.<br />
Das Kritische an dieser Debatte ist also weniger, dass der Rassismus-Vorwurf ins Spiel gebracht wird und die Werbekampagne auf ihre politische Korrektheit hin angezweifelt wird. Das ist schlie&#223;lich das gute Recht eines jeden freien B&#252;rgers. Kritisch und hinterfragenswert ist blo&#223;, dass die Entsprechenden wieder einmal mit der Nazi-Keule nur so um sich schlagen &#8211; ganz nach dem Motto &#8220;Zweifler sind doch alles Faschisten!&#8221;</p>
<p>Denn gute Zweifel an der Sinnhaftigkeit dieser Gegenkampagne gibt es durchaus. Der ist meines Erachtens nach vor allem auf sprachlicher Ebene zu lokalisieren, konkret in der &#220;berbewertung von Konnotation bei gleichzeitiger Unterbewertung von Intonation und Kontext: Das Wort &#8220;Mohr&#8221; wird f&#252;r sich stehend als abwertende Bezeichnung kritisiert, ohne jedoch den eindeutig nicht rassistischen Zusammenhang zu ber&#252;cksichtigen. Schlie&#223;lich f&#228;hrt Unilever ja keinen Affront gegen Mitb&#252;rger schwarzer Hautfarbe oder ist gar bewusst auf Beleidigung aus, sondern bewirbt mittels einer g&#228;ngigen Bezeichnung eine neue Eissorte, die laut der Pressesprecherin bei einer vorhergehenden &#220;berpr&#252;fung auch &#8220;ausschlie&#223;lich&#8221; mit der &#246;sterreichischen Mehlspeise assoziiert wurde. Etwas anderes h&#228;tte mich auch gewundert, da einerseits dieser Zusammenhang (als Teil von &#8220;Mohr im Hemd&#8221;) kaum eine andere geistige Verkn&#252;pfung zul&#228;sst, andererseits Eskimo bzw. Unilever nicht f&#252;r rassistische &#220;bergriffe (auch sprachlich gesehen) bekannt sind. Zugunsten der &#252;berbewerteten historisch-negativen Konnotation werden also die beiden anderen genannten Faktoren &#8211; Intonation des Sprechers sowie der Kontext, in den der Begriff eingebunden ist &#8211; bewusst ausgeblendet. Diese Versteifung auf &#8220;Mohr&#8221; als &#8220;b&#246;ses Wort&#8221; l&#228;sst aber an der ernsthaften Betroffenheit zweifeln, ebenso wie am Differenzierungsverm&#246;gen jener, die sich als R&#228;cher der Entrechteten aufspielen.</p>
<p>&#8220;Was beleidigend ist, definiert immer noch der Beledigte selbst&#8221; &#8211; <a href="http://phsblog.at/wer-a-tschusch-ist-bestimmen-no-immer-miar/"  target="_blank">meint Philipp Sonderegger</a>, Pressesprecher von SOS Mitmensch, womit er prinzipiell nat&#252;rlich Recht hat. Nur: Ob die restliche Gesellschaft das Beleidigtsein auch anerkennt, ist eine ganz andere Frage. Und genau um die geht es, wenn von Eskimo verlangt wird, sie m&#246;gen die Kampagne beenden, sowie von s&#228;mtlichen B&#252;rgern, die Bezeichnung &#8220;Mohr im Hemd&#8221; aus ihrem Sprachschatz zu streichen. Eine demokratische Gesellschaft funktioniert aber ganz und gar nicht nach dem Prinzip, wonach s&#228;mtliche W&#252;nsche beliebiger Minderheiten von der Mehrheit auch akzeptiert werden m&#252;ssen. (Das gilt umgekehrt nat&#252;rlich genauso, ist hier aber nicht relevant.) Es steht au&#223;er Frage, dass die Betroffenen ihre Anliegen an die Mehrheitsgemeinschaft &#228;u&#223;ern d&#252;rfen. Bei einer Nichtakzeptanz aber gleich mit &#8220;Rassismus&#8221; und &#8220;Faschismus&#8221; anzutanzen, ist eine Hysterie, die im politischen Diskurs nichts zu suchen hat. Die Schuld kann man hier absurderweise aber nicht einmal den Black-Community-Vertretern geben, sondern ihren wei&#223;en Mitk&#228;mpfern, die eine derart irrelevante Debatte an die Spitze treiben.</p>
<p>Um zum Schluss aber noch ein paar Dinge klarzustellen: Es geht mir nicht um die zwanghafte Erhaltung eines bestimmten Begriffes. Wenn die gesamte Sprachgemeinschaft bzw. ein Gro&#223;teil beschlie&#223;t, das Wort &#8220;Mohr&#8221; vollst&#228;ndig zu verwerfen, ist das kein &#220;bel. Auch soll der Anspruch einer bestimmten Gruppierung auf respektvolle Behandlung durch die restliche Bev&#246;lkerung nicht untergraben werden.<br />
Nichts anfangen kann ich aber einerseits mit &#252;bertriebenen Kampfbegriffen, um eine vermeintlich moralische &#220;berlegenheit zu untermauern, andererseits mit der bewussten Ignoranz und Diffamierung plausibler Argumente, wenn sie dem Political-Correctness-Mainstream, der mittlerweile so gut wie alle Linken erfasst hat, entgegenlaufen. Genau das ist aber leider die g&#228;ngige Herangehensweise bei diesem und &#228;hnlichen Themen: Vom Zeitgeist getrieben wird versucht, es allen Minderheiten m&#246;glichst recht zu machen, ohne die Bed&#252;rfnisse der Mehrheitsgesellschaft zu ber&#252;cksichtigen. Dabei sollte das Ziel doch eine Aufhebung dieser spaltenden Umst&#228;nde sein, nach der niemand mehr oder weniger Rechte besitzt, weil er einer bestimmten Gruppierung angeh&#246;rt. Ohne es zu bemerken verst&#228;rken die Gutmenschen die derzeitigen Verh&#228;ltnisse aber noch: Und zwar indem sie nicht nur einen k&#252;nstlichen Aufreger provozieren, der einfach gestricktere Geister (von denen es viel zu viele gibt) vor allem entz&#252;rnt, sondern zus&#228;tzlich noch eine umgekehrte Privilegisierung forcieren, die sie eigentlich aufheben wollen.</p>
<p><strong>Siehe auch</strong><br />
» <a href="http://www.baeck.at/blog/2009/07/23/pc/"  target="_blank">B&#228;ckBlog: PC</a><br />
» <a href="http://feuerhaken.org/2009-07-22/captain-gutmensch-retttet-die-welt-1/"  target="_blank">Feuerhaken: Captain Gutmensch rettet die Welt</a><br />
» <a href="http://www.zwischenruf.at/?p=3278"  target="_blank">Zwischenruf: Geht&#8217;s bald auch den Schwedenbomben an den Kragen?</a><br />
» <a href="http://www.alteknacker.at/2009/07/24/200e-furs-sommerloch.html"  target="_blank">200€ f&#252;rs Sommerloch!</a></p>
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