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	<title>The Flowers Are Gone &#187; Längere Gedanken</title>
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	<description>Rinks? Lechts? Freiheit.</description>
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		<title>Gedanken zur &#214;H(-Wahl)</title>
		<link>http://www.theflowersaregone.at/2009/05/gedanken-zur-oeh-wahl/</link>
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		<pubDate>Thu, 14 May 2009 22:43:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Mathias</dc:creator>
				<category><![CDATA[Arbeit & Studium]]></category>
		<category><![CDATA[Längere Gedanken]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>

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		<description><![CDATA[
Wie bereits erw&#228;hnt fand heute von 17:30 bis 19:30 eine Diskussionsrunde im Juridicum statt. Es ging um die bevorstehenden &#214;H-Wahlen, wozu Vertreter s&#228;mtlicher Fraktionen zur Debatte eingeladen waren und auch dem Publikum die M&#246;glichkeit der Fragenstellung gelassen wurde. Moderiert wurde das Ganze von ZIB-2-Anchorman Armin Wolf.
Die Veranstaltung im knallvollen H&#246;rsaal U 10 bot eine interessante [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div style="text-align:left;"><img src="http://www.theflowersaregone.at/wordpress/wp-content/uploads/2009/05/podiumsdiskussion.jpg" alt="podiumsdiskussion.jpg" border="0" width="480" height="160" /></div>
<p>Wie bereits erw&#228;hnt fand heute von 17:30 bis 19:30 eine Diskussionsrunde im Juridicum statt. Es ging um die bevorstehenden &#214;H-Wahlen, wozu Vertreter s&#228;mtlicher Fraktionen zur Debatte eingeladen waren und auch dem Publikum die M&#246;glichkeit der Fragenstellung gelassen wurde. Moderiert wurde das Ganze von ZIB-2-Anchorman Armin Wolf.<br />
Die Veranstaltung im knallvollen H&#246;rsaal U 10 bot eine interessante M&#246;glichkeit, sich &#252;ber die diversen Ansichten, Meinungen und L&#246;sungsvorschl&#228;ge der kandidierenden Parteien zu informieren. Demzufolge gibt es von mir nun ein paar Gedanken zu angesprochenen &#214;H-Themen; wer nicht dabei sein konnte und sich trotzdem f&#252;r die Diskussion interessiert, sollte auf n&#228;chste Woche warten &#8211; da wird dann ein Ton- und Videomitschnitt online gestellt. Die ganz Neugierigen k&#246;nnen bei <a rel="nofollow" href="http://polilog.wordpress.com/2009/05/14/die-oh-podiumsdiskussion/"  target="_blank">Polilog</a> vorbei schauen, dort gibt es schon jetzt eine Zusammenfassung.</p>
<p><strong>Zugangsbeschr&#228;nkungen</strong><br />
Bei dieser Thematik sind sich grunds&#228;tzlich alle Fraktionen einig. Unterschiede gibt es in der detaillierten Ausf&#252;hrung, besonders die linken Gruppierungen (VSSt&#214;, GRAS, KJ&#214; und KSV-LiLi) pochen auf einen absolut freien Unizugang, wozu sich nat&#252;rlich auch die Frage der Finanzierbarkeit gesellt &#8211; dazu jedoch sp&#228;ter mehr.</p>
<p>Prinzipiell bin ich gegen Zugangsbeschr&#228;nkungen, da ich der Ansicht bin, eine staatliche Uni sollte jedem B&#252;rger &#8211; der ja indirekt daf&#252;r zahlt &#8211; Zugang gew&#228;hren. Dass daf&#252;r nat&#252;rlich eine Reife- bzw. Studienberechtigungspr&#252;fung vorausgesetzt werden darf, versteht sich von selbst &#8211; ebenso meiner Meinung nach aber auch, dass gewisse Studienf&#228;cher wie Humanmedizin, Psychologie, Publizistik etc., also die besonders stark frequentierten, &#252;ber Aufnahmetests o.&#228;. ihre Studierendenanzahl von vorne herein reduzieren. Klar, Knock-Out-Pr&#252;fungen oder gar ein, zwei &#8220;Bew&#228;hrungssemester&#8221; sind v&#246;llig daneben &#8211; es spricht jedoch nichts gegen ein vorher veranstaltetes Bewerbungsverfahren, wie dies bereits bei Medizin der Fall ist. Es w&#228;re nat&#252;rlich sch&#246;n, wenn jeder, der gerne Publizistik studieren m&#246;chte, dazu auch die M&#246;glichkeit bekommen k&#246;nnte. Leider fehlt es daf&#252;r aber massivst an Geld und bereits jetzt kann es sehr eng (im wahrsten Sinne des Wortes) werden. Das ist eine Realit&#228;t, die man akzeptieren muss &#8211; erst recht, wenn man gegen die Erhebung von Studiengeb&#252;hren ist.<br />
Auch wenn ich Wissenschaftsminister Johannes Hahn ungerne beipflichte: Es ist Fakt, dass die Drop-Out-Rate mit der Einf&#252;hrung von Aufnahmetest <a href="http://www.news.at/articles/0748/32/190252/auswahlverfahren-medizin-unis-neue-studenten-leistung"  target="_blank">sinkt</a>. Das hei&#223;t nicht, dass diese gleich bei allen Studienf&#228;chern einzuf&#252;hren auch sinnvoll ist. In der Germanistik beispielsweise sind die H&#246;rs&#228;le meist nur halb voll, man kommt problemlos in die &#220;bungen. Man stelle sich allerdings ein Psychologiestudium mit wirklich freiem Zugang vor &#8211; w&#228;re das noch im Interesse aller Studierenden, die ja gleicherma&#223;en an der zwangsl&#228;ufig folgenden &#220;berf&#252;llig leiden w&#252;rden? Ich glaube nicht, wof&#252;r man nicht mal irgendwelche finanziellen Belange herbeiziehen muss, um trotzdem zu diesem Schluss zu gelangen.</p>
<p><strong>Leistbarkeit</strong><br />
In Zusammenhang mit dem vorigen Thema ist nat&#252;rlich auch die Leistbarkeit des Studiums an sich eine wichtige Frage. Derzeit muss ja, will man Studienbeihilfe, Studiengeb&#252;hrenerlass und diverse andere Subventionen nicht verlieren, eine Mindeststudienzeit eingehalten werden. Arbeitet man nebenbei, um sich &#252;berhaupt &#252;ber Wasser halten zu k&#246;nnen, oder absolviert man zus&#228;tzlich ein Zweit- bzw. Nebenstudium, kann es da sehr schnell sehr knapp werden und pl&#246;tzlich steht man mit leeren H&#228;nden da. Das sollte nat&#252;rlich nicht der Fall sein, weswegen sich die &#214;H zumindest um die Erh&#246;hung des Mindeststudienzeitraumes bem&#252;hen k&#246;nnte, sowie die Negierung der Ungerechtigkeit bei der eigentlich sehr w&#252;nschenswerten Inskribierung eines Zweitstudiums anstreben.<br />
Zus&#228;tzlich k&#246;nnte auch das von mir als positiv erachtete bedingungslose <a href="http://www.theflowersaregone.at/2009/01/das-grundeinkommen-eine-liberale-idee/"  target="_blank">Grundeinkommen</a> Aushilfe schaffen. Das w&#228;re zwar nicht &#214;H-Angelegenheit, w&#252;rde aber mit unn&#246;tiger B&#252;rokratie aufr&#228;umen und stressfreies Studieren erm&#246;glichen (vorausgesetzt nat&#252;rlich, man begn&#252;gt sich mit der Stillung elementarster Grundbed&#252;rfnis &#8211; an Nebenjobs ist ja prinzipiell nichts auszusetzen). Auch w&#228;re eine Unabh&#228;ngigkeit vom Wohlwollen der Eltern gew&#228;hrleistet &#8211; die zwar prinzipiell unterhaltszahlungspflichtig sind, das aber eben nur in der Theorie zufriedenstellend funktioniert.</p>
<p><strong>Aufgaben der &#214;H</strong><br />
Ein Themengebiet, bei dem sich weder die Fraktionen, noch ich mir selbst bei meiner Meinungsfindung einig bin. Es besteht ja schon l&#228;nger ein Disput bei der Frage, was die &#214;H denn nun wirklich machen soll: Rein serviceorientiert arbeiten? Die Studierenden auch ad&#228;quat in  parlamentarischen und regierungsbezogenen Belangen vertreten? Oder gar selbst politisch aktiv werden, an Ver&#228;nderungen in der Gesamtgesellschaft mitwirken?<br />
Sehr richtig liegt GRAS-Vertreterin Sigrid Mauer, wenn sie sagt, dass &#214;H-Poltik auch immer gegenabh&#228;ngig von der parlamentarischen Bildungspolitik ist &#8211; E-Voting, Zugangsbeschr&#228;nkungen und Studiengeb&#252;hren machen das deutlich. Ich pers&#246;nlich habe kein Problem damit, wenn die &#214;H nicht nur als &#8220;Skripenkopier-Verein&#8221; auftritt, sondern auch politisch aktiv wird &#8211; wobei diesbez&#252;glich wichtig ist, dass man sich auf die Interessen der Studierenden konzentriert und nicht stattdessen versucht, von der Uni aus eine feministische, kommunistische, konservative etc. Weltrevolution anzuzetteln. Deswegen halte ich auch von Ausstellungen, Kundgebungen, Demos etc., die von &#214;H-Organisationen organisiert und finanziert werden, nichts, solange sie keine Studierenden-Themen ansprechen. Nichts spricht gegen das Einladen eines Holocaust-&#220;berlebenden in den H&#246;rsaal &#8211; inwiefern jedoch eine Ausstellung &#252;ber Sexarbeiterinnen die Studierenden betrifft, bleibt fraglich (um zwei bei der Diskussion ge&#228;u&#223;erte Beispiele anzusprechen).<br />
Der Grad ist hierbei nat&#252;rlich ein schmaler, doch wo eine genaue Abgrenzung zwischen &#214;H- und gesellschaftspolitischen Interessen deutlich wird, sollten sich &#214;H-Vertreter im Zweifelsfall ihrer eigentliche Berufung bewusst werden &#8211; und die liegt nun mal in der Interessensvertretung der hierzulande studierenden Hochsch&#252;lerInnen.</p>
<p>Auch die Kommunikation von bildungs- und hochschulpolitischen Anliegen ist hierbei eine wichtige Angelenheit. Hier gehen ebenfalls die Meinungen auseinander: Manche ziehen den offenen Protest einem Gespr&#228;ch mit den Verantwortlichen (z.B. Johannes Hahn) vor, andere halten davon gar nichts. Was nun wirklich der Idealweg ist bleibt selbstverst&#228;ndlich fraglich; wichtig fand ich allerdings das Statement von JuLis-Vorsitzende Alegra-Isabel Raising, wonach ein geschlossenes Auftreten der &#214;H auf jeden Fall zielf&#252;hrender ist als internes Rumgezanke. Das ist bei dieser ideologischen Vielfalt nat&#252;rlich meist schwierig, doch gerade bei Themen, wo sich viele oder gar alle Fraktionen einig sind (z.B. beim E-Voting), m&#252;sste eine unisone Hinwendung zum Ziel doch machbar sein. &#220;ber den Weg dorthin (Demo oder Verhandlungen) kann man sich bestimmt einig werden.</p>
<p><strong>Die Rolle der Fachhochschulen</strong><br />
Nur durch einen Zuseherimpuls wurden auch die Interessen der FHs und P&#228;dagogischen Akademie angesprochen. Diese sind seit 2008 erstmals in der &#214;H vertreten: 16 der 85 Mandate des Studierendenparlaments sind f&#252;r sie reserviert, obwohl die Aussendung von FH-Vertretern anders abl&#228;uft als auf den Unis (<a href="http://diepresse.com/home/bildung/universitaet/476868/index.do"  target="_blank">Die Presse</a>).<br />
Die &#214;H &#252;bernimmt nun also auch f&#252;r die FHs die Verantwortung. Dabei w&#228;re es wichtig, dass sich nicht nur die 16 spezifischen Vertreter, sondern das gesamte Parlament sich f&#252;r die Interessen der Fachhochsch&#252;ler einsetzt. Diese leiden schlie&#223;lich immer noch unter den Studiengeb&#252;hren, obwohl der letztj&#228;hrig gleichzeitig mit der Abschaffung derselben beschlossene Bildungszuschuss auch die FHs betrifft. Umgesetzt wurde das Vorhaben, allen Hochschulen aber zus&#228;tzlich zum Studiengeb&#252;hrenersatz auch noch weitere Mittel zukommen zu lassen, nicht &#8211; weswegen die Fachhochschulen nun unter Finanzeinb&#252;&#223;en leiden, wie einer <a href="http://www.theflowersaregone.at/wordpress/wp-content/uploads/2009/05/fh-blatt.pdf"  title="fh_blatt.pdf">Aussendung an die Studierenden</a> entnommen werden kann. Das ist insofern verst&#228;ndlich, als diese aufgrund ihrer Praxisorientiertheit viel mehr Geld in Ger&#228;tschaften, R&#228;umlichkeiten und Lehrk&#246;rper stecken m&#252;ssen, um ihr Angebot auch weiterhin gew&#228;hrleisten zu k&#246;nnen. Diese von der Regierung bzw. vom Wissenschafts- und Finanzministerium hingenommenen Defizite m&#252;ssen nun also die Studierenden mit einem Semesterbeitrag von 379,20€ (inkl. &#214;H-Beitrag) ausgleichen &#8211; was nicht meinem Verst&#228;ndnis von Fairness und einer nachhaltigen Finanzpolitik entspricht.</p>
<p>Es bleibt also zu hoffen, dass die FH-Vertreter ordentlich Druck machen und auch die anderen &#214;H-Mitglieder nicht blo&#223; tatenlos zusehen. Hier k&#246;nnten GRAS, VSSt&#214; und andere beweisen, dass ihnen nicht nur etwas an &#8211; unbestreitbar wichtigen &#8211; Themen wie Gleichberechtigung oder Antifaschismus liegt, sondern auch am Wohl der Studierenden selbst, in Hinblick auf eine konkrete Problemstellung. Ein spannendes St&#252;ck &#214;H-Poltik k&#246;nnte also vor uns liegen.</p>
<p>Soweit meine Stellungnahmen. Gespannt bin ich aber nicht nur auf den Wahlausgang, sich daraus ergebende Koalitionen oder ob die Zusammenarbeit best&#228;ndiger sein wird als zuvor, sondern erst einmal auf die W&#228;hlerbeteiligung &#8211; die ja traditionell sehr gering ist.<br />
Ich kann mich Dominik von Polilog jedenfalls nur anschlie&#223;en und jeden Wahlberechtigten zum W&#228;hlen auffordern &#8211; ich bin schlie&#223;lich davon &#252;berzeugt, dass die Wirkung der &#214;H gro&#223;teils untersch&#228;tzt wird, was sicherlich auch mit der mangelnden studienbezogenen Aktivit&#228;t des Parlaments zusammenh&#228;ngt. Damit aber &#252;berhaupt mal etwas geschehen kann, m&#252;ssen Vertreter gew&#228;hlt werden &#8211; und von denen gibt&#8217;s immerhin reichlich verschiedene.</p>
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		<title>Die Reichen, die Reichen&#8230;</title>
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		<pubDate>Fri, 17 Apr 2009 22:10:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Mathias</dc:creator>
				<category><![CDATA[Längere Gedanken]]></category>
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		<description><![CDATA[Nun hat er sie also vorgestellt, der Franz Voves, seine &#8220;Neue europ&#228;ische Wirtschaftspolitik&#8221; (NEW). POLILOG bietet einen sch&#246;nen &#220;berblick &#252;ber die darin enthaltenen Forderungen, &#252;ber die ich lediglich den Kopf sch&#252;tteln kann.
Interessant ist dabei schon im Vorfeld, dass wieder einmal auf &#8220;die Reichen&#8221; verbal eingepr&#252;gelt wird. Die so genannte &#8220;Reichensteuer&#8221; sowie eine Transfersteuer sind in [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://www.theflowersaregone.at/wordpress/wp-content/uploads/2009/04/new.jpg" alt="NEW" title="NEW" width="480" height="120" class="aligncenter size-full wp-image-673" />Nun hat er sie also vorgestellt, der Franz Voves, seine &#8220;Neue europ&#228;ische Wirtschaftspolitik&#8221; (<a href="http://www.stmk.spoe.at/steiermark/kampagnen-projekte/new-neue-europaische-wirtschaftspolitik/new-neue-europaische-wirtschaftspolitik/at_download/file/SP%25C3%2596_NEW-fin.pdf"  target="_blank">NEW</a>). <a rel="nofollow" href="http://polilog.wordpress.com/2009/04/17/voves-new-und-die-diskussion-um-die-reichensteuer/"  target="_blank">POLILOG</a> bietet einen sch&#246;nen &#220;berblick &#252;ber die darin enthaltenen Forderungen, &#252;ber die ich lediglich den Kopf sch&#252;tteln kann.</p>
<p>Interessant ist dabei schon im Vorfeld, dass wieder einmal auf &#8220;die Reichen&#8221; verbal eingepr&#252;gelt wird. Die so genannte &#8220;Reichensteuer&#8221; sowie eine Transfersteuer sind in aller Munde, Bundeskanzler Faymann hingegen hat ausnahmsweise mal das Richtige getan und proklamiert, dass es dazu in dieser Regierungsperiode nicht kommen wird. Aber wieso kommt man jetzt, zu Zeiten der Wirtschaftskrise, &#252;berhaupt auf eine solche Idee? Voves und die angeblichen 99 Prozent seiner Partei, die die schon zuvor ge&#228;u&#223;erten Ideen mit &#8220;positivem&#8221; Feedback versehen haben, lassen den Eindruck erstehen, &#8220;die Reichen&#8221; seien kollektiv f&#252;r die Krise verantwortlich und m&#252;ssten jetzt daf&#252;r b&#252;&#223;en. Von dieser widerlichen Verallgemeinerung abgesehen kommen die Hauptverantwortlichen der ruin&#246;sen Spekulationsgesch&#228;fte zudem gro&#223;teils aus den USA und sicherlich nicht aus dem kleinen &#214;sterreich. Und selbst wenn eine Mehrheit hierzulande f&#252;r den Niedergang der Weltwirtschaft verantwortlich w&#228;re, rechtfertigt das nunmal keinesfalls eine Sippenhaftung.<br />
Auch scheinen die Populisten zu vergessen, dass nicht eine h&#246;here Besteuerung, sondern im Gegenteil m&#246;glichst viel Geld in den H&#228;nden der Konsumenten (egal ob arm oder reich) die Wirtschaft wieder in Schwung bringt.</p>
<p>Aber sehen wir uns das zwanzig Seiten starke Pamphlet einmal an, das von Franz Voves entworfen wurde. Schon in der Einleitung st&#246;&#223;t es einem sauer auf:</p>
<blockquote><p>[...] Diese Krise ist von den unregulierten Finanzm&#228;rkten ausgegangen. Sie zeigt, dass die unkontrollierte neoliberale Marktwirtschaft gescheitert ist.</p></blockquote>
<p>Unregulierte Finanzm&#228;rkte? Das l&#228;sst sich h&#246;chsten als schlechter Witz abtun. Als ob der Finanzmarkt jemals so etwas wie ein Schwarzmarkt, der von staatlichen Eingriffen (Steuern, FED, Nationalbank) gefreit ist, war. Gleichzeitig verwendet Voves den inflation&#228;r gewordenen Begriff &#8220;<a rel="nofollow" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Neoliberalismus"  target="_blank">neoliberal</a>&#8221; so wie 90% der restlichen Sozialisten, die damit nun f&#252;r ihre Ideen hausieren gehen, n&#228;mlich falsch.</p>
<p>Dann versucht sich das Programm wieder an Definitionen. So hei&#223;t es in Kapitel 1:</p>
<blockquote><p>Banken und Finanzm&#228;rkte m&#252;ssen wieder prim&#228;r ihre urspr&#252;ngliche Aufgabe erf&#252;llen. Das sind das Sammeln von Ersparnissen und die Kreditvergabe an die Investoren der Realwirtschaft.</p></blockquote>
<p>Lieber Herr Voves: Die Banken, die Sie hier beschreiben, sind jene von sozialistischen L&#228;ndern wie der DDR, die in Staatshand tats&#228;chlich prim&#228;r f&#252;r diese Aufgaben verantwortlich waren. Privatisierte Banken jedoch handeln, so wie das jedes vern&#252;nftige Unternehmen tut, prim&#228;r eigenn&#252;tzig, das hei&#223;t gewinnorientiert. Und mit ein paar Krediten und dem &#8220;Sammeln von Ersparnissen&#8221; sind nun mal keine (bedeutsamen) Gewinne zu machen, so sch&#246;n das Gegenteil auch w&#228;re. Man muss es offen sagen: Wer diese &#8220;prim&#228;re Aufgabe&#8221; fordert, fordert verstaatlichte Banken.</p>
<p>Erw&#228;hnenswert ist auch dieser Absatz:</p>
<blockquote><p>Verteilungs- und Stabilisierungspolitik sind wesentliche Elemente einer pragmatisch ausgerichteten Wirtschaftspolitik, die die Verirrungen der Ideologie der „Marktreligiosit&#228;t“ („Privat ist immer besser als Staat“) &#252;berwinden muss.</p></blockquote>
<p>Hach ja, die gute, alte &#8220;Marktgl&#228;ubigkeit&#8221;. Dass so etwas wie eine &#8220;Staatsgl&#228;ubigkeit&#8221; existiert, die in &#8220;Umverteilung&#8221; und k&#252;nstlicher &#8220;Stabilisierung&#8221; ihr Heilstum sieht, kommt leider den Wenigsten in den Sinn. Nichts anderes ist allerdings der Fall, wenn man sich darauf verl&#228;sst, dass der Staat im Zweifelsfall alles besser regelt, so wie Voves das offenbar tut.</p>
<p>Interessant geht es weiter:</p>
<blockquote><p>Aus neoliberaler Sicht entsteht Arbeitslosigkeit durch fehlende Anreize, eine Besch&#228;ftigung zum herrschenden Lohnsatz anzunehmen. Alle Ma&#223;nahmen zielen darauf ab, es den Arbeitslosen so „ungem&#252;tlich“ wie m&#246;glich zu machen, um sie zur Aufnahme einer Besch&#228;ftigung zu bewegen. Dabei wird vernachl&#228;ssigt, dass es zu wenige freie Stellen gibt.</p></blockquote>
<p>Welche &#8220;Ma&#223;nahmen&#8221;? Ich glaube kaum, dass ein &#8220;neoliberaler&#8221; Unternehmer, der schlie&#223;lich auf Arbeitskr&#228;fte angewiesen ist, es &#8220;den Arbeitslosen so &#8216;ungem&#252;tlich&#8217; wie m&#246;glich&#8221; machen will. Die eigentlich Frage, die sich mir hierbei jedoch stellt, ist die folgende: Warum macht man es den Arbeitgebern &#8211; mit Arbeitnehmerschutzgesetzen, mit geforderten Mindestl&#246;hnen etc. &#8211; eigentlich so schwer, auf rationale Weise so viele Arbeitnehmer wie eben n&#246;tig anzustellen? Voves erkennt es schon richtig: Eine Vollbesch&#228;ftigung wird es nie geben. Wessen Schuld ist das aber nun &#8211; die der Arbeitgeber, die gef&#228;lligst &#252;ber ihre finanzielle Ma&#223;e hinaus einstellen sollen, oder die des Staates, der Ma&#223;nahmen setzt, die den Arbeitgeber im Zweifelsfall dreimal &#252;berlegen lassen, ob er den Bewerber nun einstellt und wom&#246;glich nur schwer wieder los wird (z.B. in Zeiten der Rezession) oder nicht.</p>
<p>Besonders prek&#228;r wird es in Kapitel 4, &#8220;Privat oder Staat&#8221;. Dort zeigt Voves u.a. die &#8220;zahlreichen&#8221; Gefahren der Liberalisierung auf, so zum Beispiel:</p>
<blockquote><p>fehlende demokratische Einflussnahme und &#246;ffentliche Kontrolle: Die Privatisierung der Politik. Entdemokratisierung durch Verlust der Einfluss- und Gestaltungsm&#246;glichkeiten der &#246;ffentlichen Hand.</p></blockquote>
<p>Es ist kein Wunder, dass sich ein Politiker &#252;ber &#8220;fehlende Einflussnahme&#8221; beschwert &#8211; aber das ist nun mal der freie (und damit demokratische) Markt, auf dem die Dinge so laufen, wie die Mehrheit der Konsumenten sie w&#252;nscht &#8211; und nicht ein steirischer Landeshauptmann. Wenn der Staat unbedingt &#8220;mitgestalten&#8221; will, muss er eben ein Unternehmen er&#246;ffnen und schauen, ob es rentabel gef&#252;hrt werden kann &#8211; selbstverst&#228;ndlich unter dem Ausschluss einer Monopolisierung.</p>
<blockquote><p>F&#252;r jene Dienstleistungen, die bereits vollst&#228;ndig oder teilweise liberalisiert wurden (Telekommunikation, Strom, Gas, Eisenbahnen) gilt es, die Aufsicht zu straffen und die europ&#228;ische Koordination zu vertiefen. Demokratisch kontrollierte Regulierungsbeh&#246;rden m&#252;ssen sicherstellen, dass die privaten Unternehmen ihrem &#246;ffentlichen Auftrag nachkommen. Gelingt dies nicht, so halten wir eine R&#252;ckf&#252;hrung in &#246;ffentliches Eigentum f&#252;r gerechtfertigt. </p></blockquote>
<p>Da haben wir also den Wunsch nach der Re-Verstaatlichung &#8211; und wie ich Voves kenne, soll dies lieber heute denn morgen passieren. Wozu braucht es denn sonst eine &#8220;straffere Aufsicht&#8221; auf einem Markt, der liberalisiert ohnehin wie eine Eins l&#228;uft? Strom, Gas, Internet und Fernsehen sind so billig wie nie, die Anbieter &#252;berschlagen sich mit Angeboten. Lediglich der m&#252;ndige, analysierende Konsument wird vorausgesetzt &#8211; aber so viel Eigenverantwortung muss Voves seinen Sch&#228;fchen doch zutrauen.<br />
Wo ein privates Unternehmen jedenfalls einen &#8220;&#246;ffentlichen Auftrag&#8221; besitzt, ist mir schleierhaft. So etwas tragen Staatsbetriebe, nicht aber eine liberalisierte Telekom oder ein privater Stromanbieter.</p>
<blockquote><p>Das Bildungswesen, die medizinische Versorgung oder die Sicherheit k&#246;nnen nicht dem privaten Wettbewerb &#252;berlassen werden, ohne massive soziale Kosten mit sich zu bringen.</p></blockquote>
<p>Was sind &#8220;soziale Verluste&#8221;? Wie kommt Voves drauf, dass auf einem privaten Bildungsmarkt (selbstverst&#228;ndlich einhergehend mit einer Steuersenkung) keine ausreichende Versorgung mehr vorhanden ist? Gerade der liberalisierte Markt zeigt, dass die Angebote immer kosteng&#252;nstiger und leistbarer werden und dabei der Service steigt &#8211; Wettbewerb macht&#8217;s. Wieso sollte das bei den angesprochenen Beispielen anders sein?<br />
Zudem kann der Staat auch auf einem liberalisierten medizinischen Markt als Teilnehmer mitwirken, so wie das jetzt der Fall ist &#8211; blo&#223;, dass immer noch Zwangsversicherung und damit Wettbewerbsverzerrung herrscht. Entledigte man sich dieser, w&#228;re ein faires Angebot f&#252;r alle geschaffen: Staatliche Versicherung ohne Bedingung und zu leistbaren Preisen, private f&#252;r all jene, die gerne mehr zahlen, aber auch mehr geboten bekommen wollen. Was gerne als &#8220;Zwei-Klassen-Medizin&#8221; verschrieen wird, ist nichts anderes, als wenn ich mir im Supermarkt statt der Clever-Schokolade die Edelpralinen kaufe &#8211; ausreichend S&#252;&#223;es bekomme ich in jedem Fall.</p>
<p>Ohne jetzt auf jedes Detail eingehen zu wollen: Auf diesem Niveau geht es die restlichen 10 Seiten weiter. &#8220;EU-weit verbindliche Mindeststeuers&#228;tze&#8221; liest man da, &#8220;Steuern gem&#228;&#223; der wirtschaftlichen Leistung einheben&#8221; (= wer mehr arbeitet, muss auch mehr abgeben &#8211; &#8220;fair&#8221;), &#8220;Handel von Finanzprodukten au&#223;erhalb von B&#246;rsen eind&#228;mmen&#8221;, &#8220;verpflichtende Registrierung<br />
von Lobbyisten&#8221; oder &#8220;Aufzeichnungen &#252;ber Eigentumsverh&#228;ltnisse (Firmenb&#252;cher)<br />
klar und offen gestalte[n]&#8221; etc. (W&#228;re interessant zu wissen, was die Gr&#252;nen zu den letzten zwei Punkten sagen &#8211; Datenschutz sieht anders aus.)<br />
W&#228;re Voves ein Deutscher, k&#246;nnte man meinen, eine Zusammenstellung der &#8220;Linken&#8221; zu lesen &#8211; so ist es lediglich der Versuch eines Krypto-Sozialisten, die Gunst der Stunde f&#252;r sich zu nutzen und &#8220;Mehr Staat &#8211; weniger privat&#8221; zur Parole zu erheben. Jetzt ist fraglich, wie die restliche Regierungsmannschaft darauf reagiert &#8211; Zuversicht macht Doris Bures, wenn sie behauptet: &#8220;Das ist noch kein Kind. Das ist im besten Fall ein Embryo&#8221;, woraus sich allerdings auch schlie&#223;en l&#228;sst, dass diese noch mehr staatliche Eingriffe w&#252;nscht als ohnehin schon gefordert.</p>
<p>Entt&#228;uschend in diesem Zusammenhang auch die Gr&#252;nen: Sie (nun ja, zumindest Stadtrat David Ellensohn &#8211; kein geeigneter Kandidat f&#252;r meine <a href="http://www.gruenevorwahlen.at/"  target="_blank">Gr&#252;ne Vorw&#228;hlerstimme</a>) fordern &#8220;<a href="http://www.reichtumgerechtverteilen.at/blog.php?k=0"  target="_blank">5 Milliarden Euro Verm&#246;genssteuer</a>&#8220;, treten daf&#252;r mit den alten Statistiken &#252;ber die ach so ungerechte Wohlstandsverteilung ans Tageslicht und lassen sich nat&#252;rlich auch zu gro&#223;z&#252;gigem Reichen-Bashing hinrei&#223;en.<br />
Muss man als wirtschaftsliberal Denkender jetzt also wirklich die leidige &#214;VP w&#228;hlen, wenn man von all dem nichts h&#228;lt?</p>
<p><font size="1">Foto: Folder &#8220;NEW&#8221; der SP&#214;</font></p>
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		<title>Wo ich morgen nicht sein werde</title>
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		<pubDate>Fri, 27 Mar 2009 23:41:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Mathias</dc:creator>
				<category><![CDATA[Arbeit & Studium]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Längere Gedanken]]></category>
		<category><![CDATA[Demonstration]]></category>
		<category><![CDATA[Finanzkrise]]></category>
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		<category><![CDATA[Wien]]></category>

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		<description><![CDATA[&#8220;Wir zahlen nicht f&#252;r eure Krise!&#8221; &#8211; unter diesem Motto wird seit Wochen Werbung f&#252;r eine morgen stattfindende Gro&#223;demonstration gemacht, an der sich insgesamt 258 Organisationen beteiligen: Von der Attac, die den Protestmarsch auch ins Leben rief, oder der AKS (Aktion kritischer Sch&#252;ler) &#252;ber diverse gr&#252;ne, sozialistische und kirchliche Verb&#228;nde sowie die Betriebsr&#228;te einiger staatsnaher [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>&#8220;Wir zahlen nicht f&#252;r eure Krise!&#8221; &#8211; unter diesem Motto wird seit Wochen Werbung f&#252;r eine morgen stattfindende Gro&#223;demonstration gemacht, an der sich insgesamt 258 Organisationen beteiligen: Von der Attac, die den Protestmarsch auch ins Leben rief, oder der AKS (Aktion kritischer Sch&#252;ler) &#252;ber diverse gr&#252;ne, sozialistische und kirchliche Verb&#228;nde sowie die Betriebsr&#228;te einiger staatsnaher Unternehmen, bis hin zu NGOs und teils dubios anmutenden Vereinen wie den &#8220;M&#252;ttern gegen Atomgefahr&#8221; oder &#8220;Gartenpolylog&#8221;, dem &#8220;&#246;sterreichischen Gemeinschaftsgarten-Netzwerk&#8221;. Ein bunt gemischter Haufen jedenfalls, von dem mitunter jeder Einzelne bereits seine eigene Plakatwerbung f&#252;r die Veranstaltung gedruckt und damit Wien bepflastert hat.</p>
<p>Doch was ist dran an der Forderung f&#252;r eine &#8220;demokratische und solidarische Gesellschaft&#8221; und warum halte ich, der von diesen beiden Grunds&#228;tzen durchaus &#252;berzeugt ist, nichts davon?</p>
<p>Nun, zun&#228;chst muss ich dem Slogan durchaus zustimmen &#8211; Gewinne privat zu belassen und Verluste zu verstaatlichen ist durchaus nicht das, was ich mir unter dem Spiel des freien Marktes vorstelle. Wie auf einem solchen &#252;blich, m&#252;ssen auch schlecht wirtschaftende oder sich verspekulierende Banken f&#252;r ihre Fehler haften und, falls es besonders drastisch ist, sogar zugrunde gehen. Nur so kann Platz f&#252;r jene Unternehmen gemacht werden, die als Sieger aus diesem wirtschaftlichen Kampf hervorgegangen sind und ganz offensichtlich besser dazu taugen, die Privatwirtschaft am Leben zu erhalten.<br />
Doch schon hier muss man differenzieren: Denn wenn die Initiatoren der Demonstration ein &#8220;Sozial- statt Bankenpaket&#8221; fordern, sollte ihnen bewusst sein, dass durch den bis zu 100 Milliarden Euro schweren Kredit, den der Staat an finanzschwache Banken vergibt, nichts anderes als so ein &#8220;Sozialpaket&#8221; darstellt: Nicht nur die Arbeitspl&#228;tze innerhalb der jeweiligen Bank werden gerettet, auch wird dadurch die Kreditgabe an eigenst&#228;ndige Unternehmen nicht gef&#228;hrdet und somit werden dort wiederum Arbeitspl&#228;tze gesichert. Was hingegen ein geforderter &#8220;Mindestlohn&#8221; bringen soll oder gar eine &#8220;Arbeitszeitverk&#252;rzung ohne Lohnverzicht&#8221; ist wiederum fraglich. Den Unternehmen und damit den Arbeitnehmern d&#252;rfte dies eher weniger helfen.</p>
<p>Doch es sind gar nicht so sehr die Details, die mich der ganzen Sache &#228;u&#223;erst negativ gegen&#252;ber stehen lassen, sondern der dabei latent mitschwingende, antikapitalistische Ton. Unter dem Punkt &#8220;Die Verursacher und Profiteure m&#252;ssen zahlen&#8221; hei&#223;t es da beispielsweise: &#8220;Finanzierung aller Krisenkosten mit Transaktions- und progressiven Verm&#246;genssteuern.&#8221; Wie bitte? Seit wann steht der Spekulierende bzw. ganz allgemeine der &#8220;Reiche&#8221; in der Kollektivschuld des Wirtschaftszusammenbruches und was ist mit Menschen, die zwar wohlhaben sind, mit Investitionsgesch&#228;ften aber gar nichts am Hut haben? &#8220;Sippenhaftung&#8221; ist da das erste Wort, das mir in den Sinn kommt.<br />
Weiter geht es unter anderem mit der Forderung nach einer &#8220;demokratische[n] Kontrolle der Finanzm&#228;rkte&#8221; &#8211; wie auch immer die Akteure des Spektakels sich das vorstellen. Denn demokratisch &#252;ber Privatunternehmen zu entscheiden bedeutet letztendlich Verstaatlichung und Enteignung &#8211; ein aus der DDR wohlbekannter Schachzug, der alles andere als w&#252;nschenswert ist. Da ist es auch nicht allzu verwunderlich, dass auf den Seiten <a href="http://akab2803.blogsport.de/"  target="_blank">einiger</a> <a href="http://www.kommunisten.at/article.php?story=20090325221620594"  target="_blank">teilnehmender</a> <a href="http://www.linkswende.org/ueberunsstart.html"  target="_blank">Organisationen</a> genau das gefordert wird und ich dar&#252;ber wirklich nur noch den Kopf sch&#252;tteln kann.</p>
<p>Die elementarste Frage ist allerdings, warum es den angestrebten &#8220;Systemwechsel&#8221; &#252;berhaupt braucht. Sei Beginn des letzten Jahrhunderts hatten wir <a rel="nofollow" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Wirtschaftskrise%23Inflation_im_Deutschen_Reich"  target="_blank">mehrere Wirtschaftskrisen</a>, die schwerste davon 1929. Am System des Kapitalismus hat sich gl&#252;cklicherweise dennoch nichts ge&#228;ndert, daf&#252;r war keine Notwendigkeit vorhanden. Denn sogar Roosevelt tat letztendlich nichts anderes, als das Prinzip einer umfassenden und dabei beidseitig (von Arbeitnehmern und -gebern) finanzierten Kranken- und Sozialversicherung zu etablieren sowie eine Menge arbeitsplatzschaffende &#246;ffentliche Investitionen zu t&#228;tigen &#8211; Dinge, die durchaus im Rahmen des Vertretbaren liegen und mit einer &#8220;Demokratisierung&#8221; des Finanzwesens nichts gemein haben (so etwas wurde zur selben Zeit woanders angestrebt &#8211; dreimal darf geraten werden, wo).<br />
Ich bezweifle keineswegs, dass auch in Sachen Privatwirtschaft einige Dinge falsch laufen. Meine L&#246;sungsvorschl&#228;ge gehen allerdings in eine v&#246;llig andere Richtung (Arbeitsplatzbeschaffung durch Steuersenkungen und Schutzgesetzbeschneidungen, bedingungsloses Grundeinkommen, Privatisierung &#246;ffentlichen Guts etc.) und streben keineswegs einen radikalen, mit staatlicher Gewalt forcierten Pseudo-Sozialismus an. Daf&#252;r besteht und bestand nie Bedarf.</p>
<p>Wem am 28. M&#228;rz also nach Demonstrieren ist, dem sei vielmehr der <a href="http://www.vgt.at/hinweise/20090328TR-Grossdemo/index.php"  target="_blank">Demozug f&#252;r Tierrechte</a> ans Herz gelegt &#8211; selber Ort, eine Stunde fr&#252;her. Und mit einem sicherlich notwendigeren Hintergrund als dem der Reichenverstaatlichung.</p>
<p>Links<br />
» <a href="http://www.28maerz.at/index.php?id=aufruf"  target="_blank">&#8220;Wir zahlen nicht f&#252;r eure Krise!&#8221;</a><br />
» <a href="http://feuerhaken.org/2009-03-24/wir-zahlen-nicht-fuer-eure-krise-in-graz/"  target="_blank">Feuerhaken: &#8220;&#8216;Wir zahlen nicht f&#252;r eure Krise!&#8217; in Graz&#8221;</a><br />
» <a href="http://franzjoseph.twoday.net/stories/5610636/"  target="_blank">Franz Joseph: &#8220;Demoaufruf: Franz Joseph zahlt nicht f&#252;r eure Krise!&#8221;</a><br />
» <a rel="nofollow" href="http://oliverritter.wordpress.com/2009/03/27/das-system-ist-gescheitert/"  target="_blank">Oliver Ritter: &#8220;Das System ist gescheitert…&#8221;</a><br />
» <a rel="nofollow" href="http://wutimbauch.wordpress.com/2009/03/22/aktionen-in-salzburg-wir-zahlen-nicht-fur-eure-krise/"  target="_blank">Wut im Bauch: &#8220;Aktionen in Salzburg: Wir zahlen nicht f&#252;r Eure Krise&#8221;</a></p>
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		<title>&#214;ffentliche Demokratie und H&#252;tchenspiel</title>
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		<pubDate>Sat, 21 Mar 2009 01:17:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Mathias</dc:creator>
				<category><![CDATA[Längere Gedanken]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Glücksspiel]]></category>
		<category><![CDATA[Liberalismus]]></category>
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		<category><![CDATA[Staat]]></category>
		<category><![CDATA[Verbot]]></category>
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		<description><![CDATA[&#8220;&#214;ffis: Aus f&#252;r Big Mac &#038; Co.&#8221; lese ich in der gestrigen Ausgabe der Gratiszeitung &#8220;Heute&#8221;. Ganz so drastisch ist es im Moment noch nicht, aber nicht minder erschreckend der Plan des monopolistischen Staatsbetriebs Wiener Linien, der f&#252;r den Nahverkehr der Hauptstadt zust&#228;ndig ist: Mittels eines Fragebogens, der an 30.000 Jahreskartenbesitzer ausgesandt wird, soll unter [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://www.theflowersaregone.at/wordpress/wp-content/uploads/2009/03/spiel.jpg" alt="Spiel" title="Spiel" width="480" height="120" class="aligncenter size-full wp-image-581" />&#8220;&#214;ffis: Aus f&#252;r Big Mac &#038; Co.&#8221; lese ich in der gestrigen Ausgabe der Gratiszeitung &#8220;Heute&#8221;. Ganz so drastisch ist es im Moment noch nicht, aber nicht minder erschreckend der Plan des monopolistischen Staatsbetriebs <a href="http://www.wienerlinien.at"  target="_blank">Wiener Linien</a>, der f&#252;r den Nahverkehr der Hauptstadt zust&#228;ndig ist: Mittels eines Fragebogens, der an 30.000 Jahreskartenbesitzer ausgesandt wird, soll unter anderem ermittelt werden, ob diese ein generelles Essverbot in Bussen, Stra&#223;en- und U-Bahnen w&#252;nschen. Ist eine Mehrheit daf&#252;r, soll das Verbot &#8220;ernsthaft &#252;berdacht&#8221; (Infoscreen-Meldung) werden.<br />
Das ist also die Demokratie, wie der &#246;ffentliche Dienst sie sich vorstellt. Bei mehr als <a href="http://www.wienerstadtwerke.at/wstw/ep/channelView.do?channelId=-27457&amp;displayPage=%252Fep%252Fchannel%252FteaserBoxed.jsp&amp;pageTypeId=11081"  target="_blank">770 Millionen Fahrg&#228;sten j&#228;hrlich</a> in einer Stadt mit 1,6 Millionen Einwohnern kann davon ausgegangen werden, dass zumindest eine Million ab und an die &#246;ffentlichen Verkehrsmittel benutzt, also nicht nur durch seine unter anderem als <a href="http://www.kontrollamt.wien.at/berichte/2003/lang/2-08-KA-IV-GU-230-3-3.pdf"  target="_blank">Subvention</a> f&#252;r die Wiener Linien dienenden Steuergelder, sondern auch durch direkte Zahlungen in Form von einfachen Fahrscheinen oder Wochen- bzw. Monatskarten als Kunde zu sehen ist. Von dieser (gesch&#228;tzten) Million werden nun 30.000 privilegierte Fahrg&#228;ste befragt &#8211; das sind nach Adam Ries gerade mal 3%. Die zwar nicht das letzte Wort haben (das haben vielmehr die Postenschacher der Wiener Linien), aber den verlautbarten Ansagen nach ja immerhin bei der Entscheidung &#252;ber ein Essverbot bedeutsam mitwirken.<br />
Sieht so ein demokratisches Entscheidungsverfahren aus, das letztendlich alle 770 Millionen Fahrg&#228;ste betrifft &#8211; in Form einer stichprobenartigen Erhebung? Oder w&#228;re es dann nicht doch sogar besser, den <a href="http://www.wienerlinien.at/wl/ep/channelView.do?channelId=-16929&amp;pageTypeId=9322"  target="_blank">Fahrgastbeirat</a> zu fragen, der aus ganzen 16 (!) Mitgliedern besteht? Dann d&#252;rfte das Endergebnis immerhin um einiges schneller vorliegen und man m&#252;sste sich noch weniger mit dieser &#8220;bl&#246;den&#8221; Volksbefragung herum&#228;rgern&#8230;</p>
<p>Zur Sinnhaftigkeit eines Essverbotes selbst sind nicht viele Worte zu verlieren. Solange kein ad&#228;quater Nebenanbieter eines Nahverkehrsnetzes vorhanden ist (&#252;ber dessen Sinnhaftigkeit sich nat&#252;rlich streiten l&#228;sst), m&#252;ssen die staatlichen Betriebe Entscheidungen &#252;ber diverse Verbote und Auflagen entweder demokratisch treffen (das hei&#223;t: alle Fahrg&#228;ste befragen) oder es schlichtweg sein lassen. Es handelt sich hierbei immerhin nicht um sinnvolle Regeln, die Leib und Leben sch&#252;tzen &#8211; wie beispielsweise das Waffenverbot in den Verkehrsmitteln -, sondern um aufdiktierte Kleinkariertheit und das Unterst&#252;tzen einer offensichtlich vorhandenen Unf&#228;higkeit, den D&#246;nergeruch f&#252;r drei Stationen einfach zu ignorieren bzw. sich umzusetzen.<br />
Das allerdings w&#228;re dann wahrlich nichts Neues: Unselbstst&#228;ndigkeit durch Verbote zu f&#246;rdern.</p>
<p>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8211;</p>
<p>In derselben Zeitung (&#8221;Heute&#8221; vom 20.3.2009) befindet sich auch ein Inserat der Stadt Wien, das mit &#8220;Keine Chance f&#252;r St&#246;renfriede&#8221; betitelt ist. B&#252;rgermeister Michael H&#228;upl fordert darin &#8220;keine &#8216;Law-and-Order-Mentalit&#228;t&#8217;, aber auch keine [...] Toleranz f&#252;r St&#246;renfriede, die ihr Unwesen auf Kosten anderer treiben&#8221;. Was er damit konkret meint, wird einige Zeilen sp&#228;ter deutlich: Nicht nur gegen Hundekot und l&#228;rmende Schanigartenbenutzer will er vorgehen, auch gegen das &#8220;illegale H&#252;tchenspiel&#8221;, das sogar Teil einer &#8220;Schwerpunktaktion&#8221; der Polizei sein wird.</p>
<p>Was ist mit dem &#8220;H&#252;tchenspiel&#8221; gemeint? Nun, auf den gr&#246;&#223;eren Einkaufsstra&#223;en Wiens sind bei warmem Wetter ab und an kleinere Menschentrauben zu sehen, die sich um einen so genannten &#8220;H&#252;tchenspieler&#8221; scharren. Dieser nimmt zun&#228;chst Wetteins&#228;tze an, versteckt dann eine kleine Kugel unter einem H&#252;tchen, bewegt diese wild hin und her und verlangt dann vom Wettenden, er m&#246;ge die Position der Kugel nennen. Schafft er dies, bekommt er seinen Einsatz doppelt zur&#252;ck, im gegenteiligen Fall nat&#252;rlich gar nicht. Es handelt sich also um die klassische Form einer m&#252;ndlichen Vertragsschlie&#223;ung: Die Regeln sind allgemein bekannt oder werden vorher besprochen, mit seiner Geldgabe willigt der Kunde auf das Gesch&#228;ft ein und bekommt dann den Bedingungen zufolge entweder mehr oder gar nichts zur&#252;ck.<br />
Dass dabei zugunsten der H&#252;tchenschieber nat&#252;rlich mit allen Mitteln getrickst wird, ist klar. Nur: Jeder, der das Spiel kurze Zeit beobachtet, wei&#223; das sofort. Warum es manche Leute aber dennoch immer und immer wieder probieren, ist nat&#252;rlich fraglich &#8211; &#228;ndert aber nichts daran, dass es die Leuten tun d&#252;rfen sollen. Genauso wie es ganz selbstverst&#228;ndlich erlaubt ist, sein selbst erwirtschaftetes Geld zu verschenken, zu verprassen oder zum Fenster hinaus zu werfen, muss ein solches Gesch&#228;ft doch ebenso im Rahmen der Legalit&#228;t liegen. So aber nicht in Wien, das von einer Horde etatistischer Besserwisser gef&#252;hrt wird, die ihren B&#252;rgern vorschreiben, was sie mit ihrem Geld anstellen d&#252;rfen (ohne Dritten dabei zu schaden, wohlgemerkt) und was nicht.</p>
<p>Was l&#228;sst sich daraus schlie&#223;en? Nun, entweder sind diese H&#252;tchenspieler derart &#252;berzeugend, dass selbst Leute darauf hineinfallen, die nie beabsichtigt haben, &#252;berhaupt bei Gl&#252;cksspielen mitzumachen. Angesichts der nicht sonderlich gro&#223;en Kundschaft im Gegensatz zur Anzahl der vorbeilaufenden Menschen ist dies aber doch recht unwahrscheinlich.<br />
Oder aber der Staat h&#228;lt seine B&#252;rger f&#252;r so dumm und unvern&#252;nftig, dass er sich dazu berufen f&#252;hlt die Vertragsfreiheit k&#252;nstlich zu beschneiden, wenn es um Formen des Handels geht die ihm pers&#246;nlich nicht zusagen. Beide Argumentationsweisen f&#252;r die Rechtfertigung eines H&#252;tchenspielverbotes sind aber weder sonderlich schl&#252;ssig, noch werden sie dem Menschen als das gerecht, was er ist: ein freies, selbstbestimmendes Individuum.</p>
<p>(Ich bin mir &#252;ber die Stichworte &#8220;Spielsucht&#8221;, &#8220;leichte Abh&#228;ngigkeit&#8221; und &#8220;Gewinnstreben&#8221; nat&#252;rlich bewusst &#8211; und dennoch gleichzeitig auch sicher, dass durch das H&#252;tchenspiel noch niemand in den Privatkonkurs gest&#252;rzt ist und sich die weitere Teilnahme nach mehreren Verlusten in Folge jeder klar denkende Mensch bestens &#252;berlegen wird. Es geht hier schlichtweg um das Vertrauen in den eigenst&#228;ndigen B&#252;rger, das wie so oft ignoriert und dementiert wird.)</p>
<p><font size="1">Fotocredits: <a rel="nofollow" href="http://www.flickr.com/photos/elmada/119814180/"  target="_blank">elmada @ Flickr</a></font></p>
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		<title>Der schwierige Umgang mit dem Waffenrecht</title>
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		<pubDate>Wed, 11 Mar 2009 23:28:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Mathias</dc:creator>
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		<description><![CDATA[
Es ist Amoklaufzeit! Wer es noch nicht mitbekommen hat: Im im baden-w&#252;rttembergischen Winnenden vollzog ein 17-J&#228;hriger einen Amoklauf durch Schule und Stadt, bei dem insgesamt 15 Menschen erschossen wurden &#8211; 16, ihn selbst mit eingerechnet, denn die zu erwartende Selbstrichtung folgte, nachdem der Sch&#252;ler von der Exekutive nach seinen m&#246;rderischen Taten ins Bein geschossen wurde.
Zwei [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://www.theflowersaregone.at/wordpress/wp-content/uploads/2009/03/waffen.jpg" alt="waffen" title="waffen" width="480" height="120" class="aligncenter size-full wp-image-572" /></p>
<p>Es ist Amoklaufzeit! Wer es noch nicht mitbekommen hat: Im im baden-w&#252;rttembergischen Winnenden vollzog ein 17-J&#228;hriger einen <a href="http://orf.at/090311-36012/index.html"  target="_blank">Amoklauf</a> durch Schule und Stadt, bei dem insgesamt 15 Menschen erschossen wurden &#8211; 16, ihn selbst mit eingerechnet, denn die zu erwartende Selbstrichtung folgte, nachdem der Sch&#252;ler von der Exekutive nach seinen m&#246;rderischen Taten ins Bein geschossen wurde.</p>
<p>Zwei Debatten werden in den n&#228;chsten Tagen erwartungsgem&#228;&#223; folgen: Die &#252;ber den Ausl&#246;ser f&#252;r diese Tat bzw. zuk&#252;nftige, pr&#228;ventive Ma&#223;nahmen zur Verhinderung weiterer Taten einerseits, andererseits jene &#252;ber die Strenge des Waffenrechts an sich.<br />
Zu ersteren m&#246;chte ich hier nicht viele Worte verlieren &#8211; wie immer werden die &#252;blichen Akteure die politischen und medialen B&#252;hnen betreten, ihre vorgefertigten Argumente vorbringen (b&#246;se Musik, noch b&#246;sere Computerspiele sowie ganz allgemein jugendliche Sittenlosigkeit auf der einen Seite, destruktives soziales Umfeld, verfehlte Erziehung und sch&#228;dliche Ausgrenzermentalit&#228;t auf der anderen) und dann die jeweiligen Ver- bzw. Gebote fordern. Es kann kaum noch als Zynismus bezeichnet werden, wenn man dar&#252;ber nur m&#252;de mit dem Kopf sch&#252;ttelt.</p>
<p>Interessanter halte ich diesbez&#252;glich eine Debatte &#252;ber die (verst&#228;rkte) Freigabe bzw. Restriktion des Privatbesitzes von Schusswaffen. Hierbei handelt es sich um ein Thema, das mir als Liberalen Sorgen bereitet, denn einerseits bin ich ein zutiefst pazifistischer Mensch und sehe den Besitz von t&#246;dlichen Ger&#228;tschaften aller Art nur in &#228;u&#223;ersten Grenzf&#228;llen als notwendig an, andererseits sollte es in einer freiheitlichen Gesellschaftsordnung nat&#252;rlich jedem selbst &#252;berlassen sein, ob und welche Waffen sich in seinem Besitz befinden.<br />
In der deutschsprachigen Blogosph&#228;re regten sich dazu bereits zwei v&#246;llig kontr&#228;re Stimmen: Oliver Ritter spricht sich beispielsweise nicht zum ersten Mal <a rel="nofollow" href="http://oliverritter.wordpress.com/2009/03/11/amoklauf-in-deutschland-zeigt-dummheit-der-strache-forderung/"  target="_blank">gegen ein liberaleres Waffenrecht aus</a> &#8211; schon kurz zuvor nahm er <a rel="nofollow" href="http://oliverritter.wordpress.com/2009/02/08/liberales-waffenrecht-fuhrt-zu-hoherer-suizid-und-mordrate/"  target="_blank">Stellung</a> zur von HC Strache (FP&#214;) geforderten Waffenfreigabe und zog daf&#252;r diverse Statistiken &#252;ber den Zusammenhang zwischen Schusswaffenverf&#252;gbarkeit und Selbstmord bzw. Mord durch ebenjene zur Rate.<br />
Eine v&#246;llig gegens&#228;tzliche Meinung stammt von <a href="http://arslibertatis.com/waffen-waffen-waffen/"  target="_blank">Benjamin Blaesi, Autor von ars libertatis</a>, der als Positivbeispiel den liberalen amerikanischen Bundesstaat New Hampshire nennt, sowie vom &#8220;Opponenten&#8221; Marco Kanne, der aus der Sicht eines Libert&#228;ren <a href="http://opponent.de/index.php?entry=entry090311-165351"  target="_blank">direkt Stellung</a> zum eben Geschehenen nimmt.</p>
<p>Da dies aber keine Linkparade werden soll, m&#246;chte ich zumindest den Versuch unternehmen, meine eigenen Gedanken zu diesem wie gesagt schwierigen Thema zu formulieren, sowie auf die bereits ge&#228;u&#223;erten Meinungen eingehen</p>
<p>Zuallererst: Aus dem offensichtlich vorhandenen Zusammenhang zwischen dem zahlreichen Vorhandensein einer Schusswaffe sowie einem Selbstmord mit diesen schlie&#223;e ich prinzipiell noch keine negative Konnotation. Salopp gesagt: Wer drauf und dran ist, den Freitod zu begehen, wird dies ohnehin tun &#8211; ob er sich nun erschie&#223;t, seine Pulsadern aufschlitzt oder vom n&#228;chsten Dach springt ist dabei normalerweise recht irrelevant. Dass psychisch labile Personen eher zur L&#246;sung des Suizids tendieren, wenn sie ein Waffe besitzen, m&#252;sste erst in einer anderen Studie gekl&#228;rt werden &#8211; was nichts an dem Fakt &#228;ndert, dass jeder Mensch ein Recht auf das Beenden seines Lebens besitzt und dies nat&#252;rlich genauso mit einer Schusswaffe wie mit einer Rasierklinge tun darf. Ganz n&#252;chtern betrachtet d&#252;rfte es den meisten Hinterbliebenen &#8211; und darin schlie&#223;e ich alle noch lebenden Menschen mit ein &#8211; sogar lieber sein, wenn sich Selbstmordkandidat X in seinen eigenen vier W&#228;nden erschie&#223;t, anstatt vom Dach oder vor den Zug zu springen um so noch ein paar Unschuldige zu traumatisieren. Eingehen k&#246;nnte man in dieser Hinsicht auch noch auf die restriktiven Freitodbestimmungen unseres Medizinwesens, die Todkranke dazu veranlassen zum Sterben in die <a href="http://www.dignitas.ch/"  target="_blank">Schweiz</a> zu tingeln, aber das w&#252;rde zu weit f&#252;hren. Es geht schlie&#223;lich um den Schusswaffenbesitz lebender, vitaler Personen.</p>
<p>Sehen wir uns also die Korrelation zwischen Schusswaffenbesitz und Mordrate an. Hier l&#228;sst sich vordergr&#252;ndig zwar genauso argumentieren wie bei den Selbstmorden, und zwar dass die Morde ja ohnehin &#8211; dann eben mit Messern und Gift &#8211; stattfinden w&#252;rden, doch einen Schritt weiter gedacht d&#252;rfte klar werden, dass man sich &#8211; vor allem im Affekt &#8211; mit einer Schusswaffe im Haus doch viel eher dazu berufen f&#252;hlt, im Streit bzw. Zorn nach dieser zu greifen &#8211; und sei es nur als Ausdruck einer Drohgeb&#228;rde, aus der dann doch ganz schnell t&#246;dlicher Ernst wird.<br />
Doch selbst wenn man Kritik an der statistischen Methodik, wie sie beispielsweise bei Olivers zweitem Artikel in den Kommentaren ge&#228;u&#223;ert wurde, beiseite l&#228;sst, kommt man so schnell zur libert&#228;ren Argumentation bei dieser Debatte, die durchaus was f&#252;r sich hat: Auf dieser Seite wird n&#228;mlich wiederum argumentiert, dass viele dieser Morde wohl verhindert h&#228;tten werden k&#246;nnen, wenn das Waffenrecht umgekehrt ein liberaleres w&#228;re &#8211; denn dann w&#228;re nicht nur eine akute Selbstverteidigung im Rahmen des M&#246;glichen gewesen, auch die &#220;berwindung zur Straftat seitens des T&#228;ters w&#228;re wohl eine gr&#246;&#223;ere (und damit unwahrscheinlichere) gewesen, w&#228;re ihm bewusst dass die potentiellen Opfer jederzeit zur&#252;ckschie&#223;en k&#246;nnten.</p>
<p>Jeder kennt die typische Hollywood-Filmszene, in der maskierte Verbrecher eine Schnapsladen mit Waffengewalt &#252;berfallen, dem &#252;berrumpelten Besitzer meist asiatischer Herkunft ihre Beretta an den Kopf dr&#252;cken und Geld oder Leben fordern. Meistens ist der an der Kasse Stehende dem R&#228;uberpack hilflos ausgeliefert, doch manchmal steht pl&#246;tzlich der smarte Sohn des Besitzers hinter den Verbrechern und bedroht diese wiederum mit Papas Shotgun, was dann wahlweise in einem Schussgefecht oder dem fluchtartigen Verschwinden der ehemaligen &#220;berfallenden endet.<br />
Mal davon ausgehend, dass auch einem R&#228;uber im Zweifelsfall das eigene Leben lieber ist als ein paar B&#252;ndel bunter Scheine, zeigt diese Situation genau das eben von mir Beschriebene auf: Ein eventuelles Mordopfer sowie der Diebstahl von Sachgut wird durch Waffeneinsatz verhindert &#8211; und zwar von Seiten des nun wehrhaften Opfers. Auf einen eventuellen Amoklauf umgew&#228;lzt ist die Situation eine &#228;hnliche: H&#228;tte jeder der Lehrer der Winnenden&#8217;schen Schule zu seiner eigenen Sicherheit eine Schusswaffe in petto, h&#228;tte der Amoklauf so schnell geendet wie er angefangen hat &#8211; eine entsprechende Ausbildung im Umgang mit den Ger&#228;ten vorausgesetzt. Auch ein Raubm&#246;rder zu sp&#228;ter Stunde k&#246;nnte sich nicht mehr sicher sein, ob sein geplantes Opfer unter der dicken Daunenjacke nicht doch eine Halbautomatik tr&#228;gt und sich somit wesentlich schneller wehren k&#246;nnte als durch einen simplen und dabei meist recht unn&#252;tzen Anruf bei der Polizei.</p>
<p>Somit ist die Sache aus liberaler Sicht eigentlich klar. Doch wie eingangs erl&#228;utert hegen sich in mir immer noch Zweifel, zu denen ich nun kommen will. Sorgen machen mir n&#228;mlich die Einzelsituationen, die naturgem&#228;&#223; zwar in der Unterzahl, bei so prek&#228;ren Dingen wie der Entscheidung zwischen Leben und Tod aber auf jeden Fall zu bedenken sind. Einzelsituationen wie die Tatsache, dass eine &#214;ffnung des Waffenmarktes nicht oder zumindest nicht sofort zu einer vollst&#228;ndigen Bewaffnung eines jeden B&#252;rgers f&#252;hrt; wie jene des Einzelnen, der einer zehnk&#246;pfigen Gruppe waffentragender Verbrecher gegen&#252;ber steht und dabei v&#246;llig auf sich und seinen pl&#246;tzlich l&#228;cherlich erscheinenden Revolver gestellt ist, da &#8220;Zivilcourage&#8221; hierzulande ja immer noch ein Fremdwort ist; wie jene Situation sp&#228;tnachts, in der das Raubopfer pl&#246;tzlich kein geistesgegenw&#228;rtiger Drei&#223;igj&#228;hriger ist, sondern ein nicht mehr ganz so r&#252;stiges P&#228;rchen jenseits der Sechzig, das &#252;berdies vom Waffenbesitz und -gebrauch gar nichts h&#228;lt. Einzelsituationen wie die wohl gar nicht so seltene des sich streitenden Ehepaars, bei dem dann &#252;ber Leben und Tod des jeweils Anderen entscheidet, wer schnell beim Waffenschrank ankommt.</p>
<p>Das Gefahrenpotential, das all diese Situationen in sich tragen, gilt es zu beseitigen &#8211; die Frage ist blo&#223;, wie man das am besten anstellt. Denn wie sich zeigt sind sie durch illegalen Waffenhandel bereits heute Realit&#228;t, wenn auch in einem anderen Ausma&#223; als sie es wom&#246;glich durch eine Liberalisierung w&#228;ren. Um wirklich sichere Ergebnisse zu erzielen m&#252;sste nicht nur eine umfassende Aufkl&#228;rung bzw. Bewaffnung der Bev&#246;lkerung stattfinden, sondern gleicherma&#223;en erw&#228;hnte Zivilcourage, hier also das helfende Einschreiten eines Waffenbesitzers bei einem drohenden &#220;berfall, viel st&#228;rker gef&#246;rdert und initiiert werden. Die Frage ist blo&#223;, wer sich freiwillig auf ein Schussgefecht einl&#228;sst, um einem Fremden zu helfen &#8211; so weit geht der Altruismus der meisten Menschen dann doch nicht.<br />
Andererseits zeigen Staaten wie New Hampshire (in denen es allerdings prinzipiell friedlicher zugeht als in einem sozialen Ballungsraum wie beispielsweise Wien) oder diverse &#8220;gated communities&#8221;, dass diese L&#246;sung durchaus eine durchf&#252;hrbare ist, ohne dass Chaos und Verbrechen an der Tagesordnung stehen. Um mit Benjamins Worten zu schlie&#223;en: Es muss bei dieser Diskussion immer bedacht werden, dass ein Waffenverbot nicht nur T&#228;ter, sondern auch Opfer entwaffnet.</p>
<p><strong>Links</strong><br />
» <a rel="nofollow" href="http://lindwurm.wordpress.com/2009/03/11/amoklauf-in-der-gummizellenwelt/"  target="_blank">&#8220;Amoklauf in der Gummizellenwelt&#8221;</a> vom Lindwurm<br />
» <a rel="nofollow" href="http://polilog.wordpress.com/2009/03/11/uber-amoklaufe/"  target="_blank">&#8220;&#220;ber Amokl&#228;ufe.&#8221;</a> von Polilog<br />
» <a href="http://ef-magazin.de/2008/06/27/357-waffenrecht-amerikanische-freiheitskultur-und-deutscher-durchfalljournalismus"  target="_blank">&#8220;Waffenrecht: Amerikanische Freiheitskultur und deutscher Durchfalljournalismus&#8221;</a> bei eigent&#252;mlich frei<br />
» <a href="http://www.opponent.de/index.php?entry=entry090210-162458"  target="_blank">&#8220;Waffenverbote sind gut. F&#252;r Kriminelle.&#8221;</a> von Sphairon<br />
<font size="1">Fotocredits: <a rel="nofollow" href="http://www.flickr.com/photos/barjack/170330827/"  target="_blank">barjack @ Flickr</a></font></p>
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