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Postler bei der Polizei – warum nicht?

25. Juni 2009 von Mathias · Arbeit & Studium, Politik

Ich hätte es ja wirklich nicht erwartet, aber Beamtenministerin Gabriele Heinisch-Hosek von der roten Gewerkschafts-Partei ist tatsächlich zu etwas fähig, das man gemeinerhin wohl als “rationales Wirtschaften” bezeichnen würde. Okay, auch Josef Pröll beansprucht die Idee grundsätzlich für sich. Aber wer auch immer drauf gekommen ist, verdient jedenfalls mein Lob.

Es geht um das Einsetzen nicht mehr benötigter Post- und Telekommitarbeiter bei der Polizei. In unserem schönen Land bekommt man als Beamter ja eine lebenslange Job-Garantie, die zwar mit marktwirtschaftlichen Prinzipien nicht vereinbar ist und auch sonst eher wenig Konkurrenzfähigkeit zulässt, aber für die Betroffenen sicherlich eine recht angenehme Sache ist. Was aber, wenn der – gar nicht so unwahrscheinliche – Fall eintritt, dass für die entsprechenden Angestellten ganz einfach keine Verwendung mehr vorhanden sind? Dem jeweiligen Staatsbetrieb bleibt nichts anderes übrig, als sie entweder mit übertrieben hohen Abfertigungen sanft aus ihrer Anstellung zu begleiten, sie in Frühpension zu schicken oder eben umzuschichten. Meistens landen die Beamten dann in so etwas, was sich “Karriere- und Entwicklungscenter” nennt, also eine Art AMS-Kurscenter für Staatsangestellte. Ob dort etwas Sinnvolles gelehrt wird, ist mehr als fraglich, aber es käme eben auch nicht besonders gut an, wenn unzählige Menschen fürs Nichtstun bezahlt würden. Dann lieber Ausbildungskurse, die ihrerseits wieder Geld kosten und als Beschäftigungstherapie dienen.

Aber zurück zu Heinisch-Honsek. Deren Vorschlag, bis zu 1.200 beschäftigungslose Beamte bei der Polizei unterzubringen, mag zunächst für Erstaunen sorgen. Immerhin ist der Beruf eines Polizisten kein einfacher und benötigt einer langen und aufwändigen Ausbildung – und dafür dann einen Haufen Postler einsetzen? Das hat sich wohl auch Peter Pilz gedacht, als er über eine APA-Presseaussendung zynisch die Bewaffnung von Müllmännern und den Einsatz von Präsenzdienern im Gemeindebau forderte. Das zeugt vielleicht von Humor, allerdings auch davon, dass sich der gute Herr Pilz mit dem Thema nicht wirklich auseinandergesetzt hat.
Es geht nämlich mitnichten um den Einsatz von Postlern als Streifenpolizisten, sondern rein um Verwaltungstätigkeiten innerhalb der Dienststellen – durch dessen Delegierung dann mehr Polizisten auf die Straße und zu Einsätzen könnten. Die Schreibtischarbeit, die jetzt also unnötigerweise von den Exekutivbeamten übernommen wird, würde dann einfach auf Beamte zurückfallen, die sich damit ohnehin auskennen sollten.

Wozu also die Aufregung? Im Gegenteil ist genau so ein Vorhaben das, was ein überlebensfähiges Unternehmen (hier der Staat) von Zeit zu Zeit machen muss: Rationalisieren, umschichten und Kosten einsparen. Das kommt letztendlich allen zugute, da nicht nur unnötige Geldausgaben vermieden werden, sondern auch die Exekutive einen ohnehin allseits geforderten Aufschub im verfügbaren Personal erhielte.
Ich sage es nochmal: Man kann den entsprechenden Politikern – ganz ohne Zynismus – nur gratulieren.

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Bisher 2 Kommentare ↓

  • Dominik

    Ich muss zugeben, anfangs fand ich die Idee mehr lustig als genial. Aber jetzt, bei näherer Betrachtung, bei gründlicher Überlegung muss man, wie du schon schreibst, Heinisch-Hosek und/oder Josef Pröll zu dieser Idee gratulieren.

    Und gerade so einen Vorstoß (mit so breiter Zustimmung, wie orf.at berichtet) habe ich mir von Frau Bundesministerin Heinisch-Hosek eigentlich nicht erwartet. Trat sie ja in der Vergangenheit nicht wirklich merkbar in Erscheinung.

    Aber, noch einmal, muss ich meine Hochachtung über diese Idee ausprechen!

  • dieter

    Ich hielt das auch auf Anhieb für eine überlegenswerte Idee. Zivildiener gibt es ja auch bei der Polizei. Man könnte die Postler ja auch den Verkehr regeln lassen, oder als Ordner auf Veranstaltungen usw.

    Aber das ist ja typisch, dass immer dann, wenn irgendein Politiker einmal eine neue Idee hat, alle anderen Parteien das sofort schlecht machen, ohne sich das einmal gründlich zu überlegen.

    Die “Karriere- und Entwicklungscenter” sind eher sowas wie eine Reizentzugs-Folter nach dem Vorbild von japanischen Unternehmen, die ihre Mitarbeiter nicht feuern, sondern sämtliche Aufgaben entziehen und in ein Kellerbüro verbannen, bis sie endlich kündigen. Man erinnere sich auch an die Ausführungen des Personalvorstandes und begnadeten Anglizisten Gernot Schieszler zu dieser Sache.

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