
… und neben dem Ausmaß der Wahlbeteiligung sind natürlich vor allem die Parteiergebnisse interessant. Um herauszufinden, was meine Leser denn so wählen würden, habe ich vor einigen Wochen eine Umfrage gestartet, dies es nun zu analysieren gilt.
160 LeserInnen haben abgestimmt, das finde ich verglichen zu meiner vorigen Umfrage (die allerdings kürzer lief) ziemlich beachtlich. Demnach ergibt sich folgendes Ergebnis:

Wenig überraschend sind die 45 Stimmen für die Grünen, schneide ich doch oft Themen an, die entweder diese Partei betreffen oder ihren Inhalten wohlgesonnen sind. Umso erstaunlicher ist es, dass die Partei mit den zweitmeisten Stimmen bei meiner Umfrage die FPÖ mit 33 Zählern ist. Obwohl ich dem Verbotsgesetz genuin kritisch gegenüberstehe, kann ich mir kaum vorstellen, dass ich viele Besucher aus dem rechtsnationalen Lager habe. Da aber einige Liberale dabei sein dürften vermute ich, dass manch einer die FPÖ mit der FDP verwechselt bzw. gleichgesetzt hat. Klar, erstere tragen ja auch das Wort “freiheitlich” im Titel, sind für gewöhnlich aber alles andere als freiheitsliebend – egal ob gesellschaftlich oder wirtschaftlich. Die “freiheitlichen” Zeiten der FPÖ sind ein- für allemal vorbei – aber vielleicht kommen deren zunehmend klerikalen Statements ja doch bei meiner Leserschaft an? Es würde mich allerdings wundern.
Im eben beschriebenen Kontext ist es wenig überraschend, dass die JuLis mit 27 Stimmen am drittmeisten haben. Interessanterweise standen diese auch bei den Leuten, deren Wahlkabine-Ergebnisse ich gesehen habe, meist an erster oder zweiter Stelle. Ich messe ihnen bei der Wahl aufgrund ihres fehlenden Bekanntheitswertes außerhalb der Studentenschaft aber leider wenig Potential zu.
Die restlichen Ergebnisse entsprechen in etwa dem zu erwartenden Ergebnis (dazu gleich mehr). Okay, die KPÖ dürfte wohl ebensowenig wie die JuLis zu einem Mandat kommen, aber davon abgesehen messe ich persönlich dem BZÖ doch mehr Chancen zu als bei der vergangenen Nationalratswahl – ob sie jedoch mit Hans-Peter Martin mithalten können, ist eher fraglich.
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Nun also zu meinen Vermutungen. Da Gerald Bäck in seinem Blog ein kleines Tippspiel ausgerufen hat, bei dem es ein Poken zu gewinnen gibt, auch inklusive Prozentzahlen:
Prinzipiell vermute ich einen Wahlsieger ÖVP. Das ganz einfach deshalb, weil das Klientel dieser Partei am ehesten bei der EU-Wahl teilnehmen wird und mit Strasser ein altbekanntes Gesicht die Speerspitze der Partei bildet (bzw. Othmar Karas einen Vorzugsstimmen-Wahlkampf bewirken könnte).
Bei der SPÖ sieht es da kritischer aus, denn deren typische Wähler würde ich eher als EU-Kritiker und damit -Wahlverweigerer bezeichnen – obwohl man Hannes Swoboda keineswegs vorwerfen kann, einen Anti-EU-Wahlkampf geführt zu haben. In dieser Hinsicht interessant ist übrigens, dass auf den Wahlplakaten beider Parteien eine abgewandelte Form von “Das Beste für Österreich herausholen!” zu lesen war. Das ist zwar nicht unbedingt EU-feindlich, zeugt aber dennoch von einer eher diffusen Stellung zur EU als multinationales Konzept. Bei der SPÖ ist das wie gesagt nicht derart verwunderlich, aber gerade die ÖVP stellt sich ja gerne als die einzig wahre Pro-EU-Partei hin – dieses Images geriet durch Strassers Wahlkampf meiner Meinung nach ins Bröckeln. Was er selbst wohl dazu sagen würde?
Danach wird es schon schwieriger. Die FPÖ als Wahldritter ist vorstellbar, und zwar weil der Slogan “Tag der Abrechnung” tatsächlich ziehen könnte. Die HC-Jünger, die sonst ja tendenzielle EU-Feinde darstellen, könnten durch die Aufforderungen ihres Patrons, es “den Linken” endlich mal zu zeigen (und den Ausländern und Bonzen sowieso) zum Urnengang motiviert werden. In einem Klima, wo undifferenzierte EU-Kritik und nationalistische Aussagen wieder salonfähig sind, wird die FPÖ ihre vormaligen 6% mit Sicherheit übertreffen können. Die Frage ist nur, wer das Duell um Platz 3 letztendlich gewinnt – denn da ist ja immerhin noch Hans-Peter Martin, der die gemäßigteren EU-Kritiker anspricht und dabei eher im roten als im braunen Lager fischt. Ich vermute in dieser Hinsicht also ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit spannend zu erwartetem Ausgang.
Die Grünen könnten es schwer haben. Die Abwahl Johannes Voggenhubers könnte dieser Partei teuer zu stehen kommen; aus meinem persönlichen Umfeld hörte ich bereits, dass man die Grünen unter Lunacek nicht mehr als eindeutig pro-europäische Partei sehen könne (obwohl ich selbst das nicht ganz so streng sehen würde). Neben einem altbekannten Linksliberalismus war aber genau das das Markenzeichen der Grünen, weswegen einige Stimmen entweder zur ÖVP oder zu den Nichtwählern wandern könnten. Ansonsten wüsste ich nicht, welches andere Wählerstromverhalten sich abzeichnen könnte, doch durch eine etwaig hohe Wahlbeiteiligung der Blau-Wähler würde es ja dennoch zur Prozent-Problemen bei der Öko-Partei kommen.
Das BZÖ schließlich dürfte kaum ihre 10% von anno 2008 erreichen, aber immerhin ein Mandat abbekommen. Warum man nun das BZÖ überhaupt wählen soll kommt mir zwar nicht in den Sinn (ich sehe in dieser Partei immer noch keine Alternative zu irgendetwas), aber die – mittlerweile verbotene – Masche mit dem Volksanwalt in Brüssel könnte ziehen. Wobei ich mich da mit meiner Schätzung auch gewaltig vertun könnte. Immerhin war die Partei aber im Wahlkampf präsent.
Dass die KPÖ und die JuLis schließlich überhaupt an ein Mandat gelangen, ist äußerst unwahrscheinlich. Wünschen würde ich es letzteren ja, aber aus weiter unten geäußerten Gründen wäre eine dementsprechende Vermutung nicht realistisch. Dasselbe gilt auch für die KPÖ, die es geschafft hat, noch weniger im Wahlkampf präsent gewesen zu sein und von der ich bis auf ein Plakat mit den üblichen Slogans (Umverteilung her, Neoliberalismus & EU böse etc.) rein gar nichts mitbekommen habe. Ihre Stammwähler wird sie aber haben.
Meine versprochene prozentuale Vermutung sieht also folgendermaßen aus:

(Angaben natürlich in Prozent.)
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Ich werde übrigens die JuLis wählen. Ja, ich weiß, weder haben sich deren Jungs und Mädels im Wahlkampf besonders hervorgehoben (was am mangelnden Budget liegen dürfte), noch ist es realistisch, dass sie ein Mandat bekommen. Ich halte es auch weiterhin für eine dumme Idee, nicht mit dem Liberalen Forum gemeinsam kandidiert und einen Wahlkampf geführt zu haben, aber will man die liberale Fraktion im EU-Parlament (ALDE) stärken, bietet sich dafür keinerlei Alternative an. Die sonst meist von mir gewählten Grünen sind in wirtschaftlichen Belangen einfach viel zu links – das mag bei den kommenden Gemeinderatswahlen, für die ich mich als Vorwähler angemeldet habe, kein Problem darstellen, in Sachen EU-Politik möchte ich aber nur eine Gruppierung unterstützen, die sich klar zum offenen und freien Markt bekennt und gerade in Zeiten der Krise nicht mit “Mindestlohn” und “Lebensmittelsubventionen” antanzt. Auch wenn es derzeit als Frevel gilt, aber ich halte interventionistische Maßnahmen weiterhin nicht für den richtigen Weg und möchte dementsprechend keine EU-Politik, die lieber Banken und Autokonzerne rettet, als den wohlstandsbringenden Wettbewerb fördert.
Soviel dazu. Ich bin jedenfalls äußerst gespannt auf das morgige Ergebnis und lasse mich dann vielleicht auch zu einer Art Nach-Analyse hinreißen.
Fotocredit: TPCOM @ Flickr



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