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Rinks? Lechts? Freiheit.

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Da hat man sich schon gefreut…

8. Juni 2009 von Mathias · Medien, Religion

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… und dann wird es doch nichts mit der Atheist Bus Campaign in Österreich.
Dabei hat alles vielversprechend angefangen: Auf dem PolitCamp09 in Graz ließ Niko Alm, Geschäftsführer der Werbeagentur Super-Fi, der auch einer der Initiatoren der Laizismus-Kampagne ist, verlautbaren, dass in Zukunft in Kooperation mit der AG-ATHE, dem Freidenkerbund und der Allianz für Humanismus und Atheismus (AHA) “Atheisten-Busse” (d.h. normale Verkehrslinien mit einem Hinweis auf die wahrscheinlich fehlende Existenz eines Gottes) durch Wien fahren würden. Weltweit bekannt ist die von Ariane Sherine und Richard Dawkins in Großbritannien gestartete Aktion ja bereits – nachdem dort alles glatt lief, “expandierte” das Vorhaben (dann natürlich nicht mehr unter der direkten Leitung von Sherine und Dawkins) u.a. nach Spanien, Italien, Kanada und sogar Amerika. Nur in Deutschland stellten sich die Verkehrsbetriebe verschiedener Städte quer, obwohl dort in einer groß angelegten Aktion und mit Unterstützung diverser humanistischer und atheistischer Verbände sogar über verschiedene Slogans abgestimmt und dabei gleichzeitig Spenden gesammelt wurden. Als “Kompromiss” schickt man mit dem Geld nun einen eigenen Bus auf Deutschland-Tour, der nicht nur mit den Sprüchen bedruckt auf den Atheismus hinweisen soll, sondern auch Leute zum direkten Gespräch sowie zu Stadtführungen einlädt. (Mehr Infos für Interessierte auf der offiziellen Kampagnenseite.)

Und in Österreich?
Tja, da sah vorerst alles gut aus. Man bekleckerte sich nicht mit Aussagen wie “Die Werbung unserer Betriebe bleibt ideologiefrei” und ließ gleichzeitig für Jesus werbende Plakate zu, wie das bei den deutschen Verkehrsbetrieben der Fall war, und auch sonst scheint es keinerlei Widerstand gegeben zu haben. Sogar auf der deutschen Kampagnen-Seite wurde schon guten Mutes verkündet: “In Wien fahren bereits die ersten Busse!” – nur, dass das leider nicht so ganz stimmt.
Denn: Obwohl die Sujets bereits ans Stadtwerbungsmonopol Gewista ausgeliefert wurden und seit dem 1. Juni auf den Linien 13A und 14A angebracht sein sollten, tat sich vorerst überhaupt nichts. Die Begründung folgte nun heute und betrifft die Wiener Linien selbst: Diese hätten nämlich ihre Zustimmung zurückgezogen und demzufolge könne da auch die Gewista nicht viel machen. Letzteres ist verständlich, Ersteres nicht. Denn die offizielle Begründung für die Ablehnung seitens der Wiener Linien steht noch aus – sie wird laut Gewista “ausgearbeitet” und sollte im Laufe des Tages bei Niko Alm eintreffen.

Da bin ich mal gespannt – ich vermute jedoch, nicht nur die österreichischen Atheisten, sondern auch deren Verkehrsbetriebe (natürlich Monopolunternehmen) haben sich ein deutsches Vorbild genommen und lehnen die Werbung entweder wegen “glaubensbeleidigendem/’-verachtendem’” Inhalt ab, oder behaupten schlichtweg, man wolle keine weltanschaulich Position beziehende Werbung auf den hauseigenen Bussen. Gut, jesusverherrlichende Plakate habe ich im Rahmen der Wiener Linien wirklich noch nie gesehen. Aber ist z.B. Wahlwerbung, wie sie durchaus auf Bussen der städtischen Verkehrsbetriebe zu sehen ist, nicht ebenso ideologisch und weltanschaulich eindeutig? Welcher vernünftige Grund sollte eine private und uneigennütze Gruppierung denn dann daran hindern, für das (mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit) Fehlen eines Gottes zu werben? (Über die Sinnhaftigkeit des Spruchs unterhalte ich mich ein ander Mal, obwohl ich ihn nicht so übel finde wie viele andere.)

Letztendlich zeigt diese Wende, dass auch Österreich ein Land der provizialen Kleingeister ist, in dem man zwar mit Aufdrucken wie “Zu Ostern ist Jesus Christus auferstanden – ein Fest für die Menschen!” belästigt wird, eine dem konträr entgegenstehende Meinung aber nicht toleriert wird. Ob da nicht der Reaktionär vom Dienst, Kardinal Schönborn, seine Finger im Spiel hatte?

Ein Update gibt es jedenfalls, sobald eine Stellungnahme der Wiener Linien bekannt ist. Die Laizismus-Gruppe auf Facebook rief bereits zu Protesten auf – ich werde mich diesem Aufruf natürlich anschließen, sobald Näheres über die Ablehnungs-Motivation der Verkehrsbetriebe verlautbart ist.

Nachtrag: Wie derStandard.at berichtet, begründet ein Sprecher der Wiener Linien die Ablehnung mit einem der Grundsätze des Verkehrsbetriebs, wonach “keine Werbung für politische Parteien oder religiöse Glaubensgemeinschaften auf den Fahrzeugen der Wiener Linien” zuzulassen wären. “Auch bei Werbung für atheistische Gruppen oder Glaubenstendenzen greift dieser Unternehmensgrundsatz”, heißt es weiter.

Damit ist klar, was von Anfang an allerseits befürchtet wurde: Anstatt zu einer offenen Diskussionskultur beizutragen und dabei noch Geld zu verdienen, verschließt sich der Staatsbetrieb lieber vor etwaigen Unangenehmheiten mit der christlichen Kirche (die ja traditionell als erste auf die Barrikaden steigt, wenn man es wagt, deren dogmatische Lehre anzufechten) und versteckt sich hinter angeblichen “Grundsätzen”. Komisch nur, dass so etwas die Verkehrsbetriebe in Spanien oder Kanada – nicht gerade atheistische Länder – nicht nötig haben und aus der Zulassung der Sujets selbstverständlich auch keine Schäden bezieht.
Die Vorstellung von Österreich als weltoffener Staat wird damit einmal mehr dezimiert.

Siehe auch: Politwatch – Wiener Linien drehen Atheisten-Buskampagne ab und Feuerhaken.org – Wiener Linien machen sich ins Hemd.

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Bisher ein Kommentar ↓

  • Wiener Linien machen sich ins Hemd - Feuerhaken.org

    [...] Wie die “Atheist Bus Campaign Austria” berichtet, hat die Gewista ihre bereits erteilte Zustimmungen zu den atheistischen Sujets zurückgezogen und den Kunden abgelehnt. Seit 5. Juni hätten eigentlich auf Bussen der Linien 13A und 14A Sujets mit der Aufschrift „Es gibt mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit keinen Gott. Werte sind menschlich. Es liegt an uns“ fahren sollen. Momentan liegt noch keine offizielle Begründung vor. politwatch berichtet ebenfalls über diesen Fall, genauso wie The Flowers Are Gone. [...]

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