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Post-Liberalisierung: Endlich tut sich was!

24. April 2009 von Mathias · Arbeit & Studium, Politik

Es ist in etwa fünf Monate her, da hab ich mich über die bevorstehende Liberalisierung des österreichischen Post-Marktes ausgelassen.
Seitdem hat sich einiges getan: Nicht nur, dass – gegen Faymanns Willen – unrentable Postämter geschlossen wurden, auch werden diese – wie unter anderem von mir gewünscht – durch so genannte “Post.Partner” ersetzt: also beispielsweise Lebensmittelgeschäfte, Trafikanten oder auch Kirchen, die die Grundaufgaben der Post übernehmen sollen. Dies ist im Sinne einer Einsparung ein vernünftiger und kompromissvoller Vorstoß – auch, wenn die SPÖ, namentlich Infrastrukturministerin Doris Bures, natürlich wieder ihren Senf hinzu geben muss und Mindestlöhne sowie Abgaben der Privaten fordert.

Ein interessanter Versuch dürfte allerdings noch heuer in meinem Heimatbezirk Brigittenau stattfinden, wie ich dem “Bezirks-Journal” entnehmen kann: So werden in Hinblick auf die ohnehin 2011 kommende Liberalisierung des Briefzustellmarktes (Paketlieferungen dürfen Private bereits übernehmen) erstmals private Zustellunternehmen die Aufgaben der Bezirkspost übernehmen; d.h. zunächst das Abliefern von Briefen und Katalogen, dann auch von Paketen und letztendlich auch das Vorsortieren der Post.
Ein äußerst guter und zukunftsweisender Vorschlag, der im Konservativling-Staat Österreich jedoch auf die gewohnte Ablehnung stößt: So haben sogar die Grünen im Bezirksparlament einen Resolutionsantrag gegen den Pilotversuch eingebracht, der von allen anderen Fraktionen unterstützt wird. Die Begründung ist fadenscheinig, beruht sie doch alleine auf der Angst, die privaten Zusteller könnten vertrauliche Briefe lesen oder mit einem Generalschlüssel die Häuser betreten (was sie wohl auch tun werden müssen). Mit so etwas kann man wahrscheinlich irgendwelche Pensionisten beunruhigen, nüchtern betrachtet relativiert sich die Sache jedoch, wenn man bedenkt, dass gerade private Zusteller sehr auf eine positive Reputation bedacht sein müssen und sich keine Beschwerden erlauben dürfen. Das ist ja das Schöne am freien Markt: Wenn man mit dem einen Dienstleistungsanbieter unzufrieden, sucht man sich einen neuen – wodurch jeder einzelne bestmöglich an seinem Kundenstock arbeiten muss.

Hinzu kommt, dass ein öffentlich bediensteter Zusteller per se nicht vertrauenswürdiger ist als ein privater. Wer garantiert mir, dass mein jetziger Postbote (nichts gegen ihn, ein netter Mann) nicht ebenfalls heimlich meine Briefe liest oder Pakete öffnet? Inwiefern ist es sicherer, wenn nur ein Postmitarbeiter und nicht auch der Angestellte eines Privatunternehmen einen Generalschlüssel besitzt und ihn fünf Vormittage in der Woche benutzt?

Man möge mir also ein stichhaltiges Argument nennen, wieso dieses Pilotprojekt – scheinbar mit aller Kraft – verhindert werden soll. Und dann auch eines, weshalb die adäquate Vorbereitung auf einen ohnehin kommenden Zustand etwas Negatives darstellt.

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Bisher 2 Kommentare ↓

  • sebastian

    zu deiner letzten Frage, wieso man sich gegen Neues so sperrt: Du scheinst die drei österreichischen Grundsätze vergessen zu haben:
    1. S woar imma so!
    2. S wird imma so bleibn!
    3. Do kännt jo a jeda kumma!

  • Mathias

    Du hast natürlich Recht, die spielen bestimmt eine große Rolle. Allerdings hätte ich mir in dieser Hinsicht gerade von den doch progressiven Grünen mehr Weitblick erwartet.

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