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Minister Hahn und eine Umfrage

5. April 2009 von Mathias · Arbeit & Studium

Auf derStandard.at sowie auf ORF Online lese ich über eine neue Idee unseres allseits geliebten Wissenschaftsministers Johannes Hahn: Neue Zugangsbeschränkungen “für alle Diplom- und Masterstudien” sollen dem bildungsinteressierten Volk, dessen Land mit seiner Akademikerquote ohnehin nicht von sich reden lassen kann, den Zugang zur universitären Ausbildung noch weiter erschweren. Dabei scheint es für Hahn unerheblich, ob es sich um ein Studium des personellen Ausmaßes von Medizin oder Publizistik oder aber um vergleichsweise unbeachtete Studiengänge wie Numismatik oder Keltologie handelt – nach spätestens zwei Semestern soll überprüft werden, “wie gut Student und Studium zusammenpassen.” Tun sie das, darf weiterstudiert werden, wenn nicht, waren zwei Semester umsonst und man darf sich was Neues suchen.

Wohlgemerkt ohne, dass bei vielen Fächern ein akuter Überschuss an Studierenden besteht. Denn wenn sich “Gio” mittels einer Umfrage auf die Gunst der Studenten an dieser Idee beruft, ist das nur halb richtig. Entsprechende Umfrage ist zwar noch nicht veröffentlicht, die beiden Nachrichtenportale sprechen aber davon, dass “45 Prozent der Studenten Zulassungsbeschränkungen bei ‘bestimmten Studien’ für notwendig [halten]“, sowie “bei überlaufenen Studien 62 Prozent dieser Meinung [seien]“.
Aha – “bestimmte Studien” und “überlaufene Studien”. Jetzt stellt sich mir natürlich die Frage, was diese “bestimmten Studien” sein sollen – die, die man selbst inskribiert hat und das schon länger als zwei Semester, wodurch ein Rauswurf ohnehin keine Gefahr für die eigene Person darstellt? Oder überlässt man diese Entscheidung ebenfalls entweder den Universtiäten selbst oder Minister Hahn? Wenn ja, nach welchen Kriterien sollen diese vorgehen?

“Überlaufene Studien” klingen schon deutlicher, allerdings gibt es diese Zugangsbeschränkungen ja ohnehin schon in mehrfacher Form: Je nach Fach erwarten den Studierenden entweder eine große Prüfung vor Studienbeginn, um überhaupt aufgenommen zu werden, oder so genannte Knock-Out-Prüfungen, die einen auch inmitten des Studiums “hinauswerfen” lassen können. Namentlich wäre das zum Beispiel beim Biologie-, Psychologie-, Pharmazie- oder BWL-Studium der Fall – also überall dort, wo eine überdurchschnittlich große Zahl an Studienberechtigten inskribieren will.

Natürlich: Die Universtitäten sind insgesamt auch weiterhin überfüllt, es fehlt vor allem an Geld. Allerdings keinesfalls bei jeder Studienrichtung (in Germanistik findet man so gut wie immer einen ordentlichen Sitzplatz) und mit keiner derart dringenden Notwendigkeit, als dass sich die Probleme nicht auch anders lösen lassen könnten als durch bildungsfeindliche Beschränkungen. Wenn die Universitäten schon durch die Steuergelder eines Jeden finanziert werden, sollen sie auch für jeden offen sein – oder gleich privatisiert werden.

Eine schöne Idee jedenfalls, die sich unser “Gockel vom Dienst” nach E-Voting und Studiengebühren-Wiedereinführung da wieder ausgedacht hat. Neu ist dabei eigentlich nur die dubiose Form der Rechtfertigung, die sich mir hoffentlich erschließt, wenn die Umfrage letztendlich veröffentlicht ist.

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