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Die Streetview-Hysterie

18. April 2009 von Mathias · Internet & Computer, Medien

Es ist in aller Munde – das Google-Auto durchfährt die Straßen Wiens!
Für alle Unwissenden: Der zu Google Maps zugehörige Dienst “Street View“, der dem Seitenbesucher Fotoaufnahmen der angeklickten Straßen zeigt, wird derzeit massiv erweitert und erfasst bald auch Wien. Zu diesem Zweck durchfahren mehrere Google-Autos, am Dach mit einer 360-Grad-Kamera bestückt, die Straßen von Österreichs Hauptstadt und schießen brauchbare Standbilder.

Das kratzt natürlich an der empfindlichen Seele der Österreicher. So verwundert es nicht, dass die in vielen anderen Ländern schon (außer in England) problemlos durchgeführt Praxis hierzulande auf Unmut stößt. “Datenschutz” ist dabei ein großes Wort, und wer mich kennt weiß, dass auch ich viel von der korrekten Einhaltung dieses Bürgerrechtes halte. In diesem Fall ist es allerdings ziemlich übertrieben, gleich Panik zu schieben. Google verpixelt sowohl Nummerntafeln als auch etwaige Fußgänger – wer sich selbst dennoch erkennt und nicht bei Googles Dienst gezeigt werden will, kann das Foto wieder entfernen lassen. Auch handelt es sich klarerweise um rein öffentlichen Raum, der fotografiert wird: weder wird der User in irgendwelche Wohnungen schauen können, noch werden Privatstraßen und -grundstücke befahren. Wer nun der Meinung ist, dass man ja dennoch die Leute erst um Erlaubnis fragen müsste, bevor man sie fotografiert, muss auch jedem Stadtfotografen das Leben schwer machen – denn immerhin ist es Gang und Gäbe, dass Touristen oder auch fotografiebegeisterte Einheimische täglich Hunderte Fotos von Wiens Straßen schießen, auf denen für gewöhnlich auch einige Personen zu sehen sind. Dass in Zeiten von Flickr und co. diese Bilder dann nicht im Internet landen (wo Fremde natürlich auch in diesem Fall unkenntlich gemacht werden sollten), ist eher unwahrscheinlich.

Einige schließen schon Parallelen zur Videoüberwachung – und diesbezüglich könnte man auch mich als Feind von Überwachungskameras fragen, wieso ich nichts an Googles Vorhaben auszusetzen habe. Die Antwort ist einfach: Momentaufnahmen sind keine Videos. Einen Schritt weiter gedacht wird klar, warum der Vergleich zwischen einem einmal getätigten Standbild und einer permanent laufenden Kamera, die sich in den meisten Fällen sogar bewegen lässt, nicht hinhaut. Noch dazu geht es Google nicht darum, irgendwelche Verbrechen aufzuklären oder Leute in ihren Tätigkeiten zu offenbaren, sondern ausländischen Nutzern ein akkurates Bild einer fremden Stadt zu offenbaren.
Für Wien kann das nur Mehreinnahmen im Tourismusbereich bedeuten, besser als über jede unglaubwürdige Werbung mit Schönfärbeeffekt. Für die Wiener selbst ist es offenbar ein Skandal sondergleichen, dass der böse Großkonzern in “ihre” Stadt eindringt und paar Schnappschüsse tätigt – und das obwohl ein anderes Unternehmen dasselbe schon seit Längerem still und unbemerkt tut!

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Bisher ein Kommentar ↓

  • Collingdale

    Ich habs auch gesehn! Und gleich schön hingelächelt für ein nettes Foto.
    “still und unbemerkt” ist wohl das Stichwort für norc. Für jemanden wie mich der immer alles genau plant, ist sowas ungemein praktisch. Da weiß ich genau wo ich hin muss.
    Es gibt ja auch das Argument, dass die Bilder von Kriminellen benutzt werden um Einbrüche vorzubereiten. Ein Profi wird das aber sich wohl auch in echt anschauen, und mit der Handykamera sind genausogute Fotos gemacht.^-^

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