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Die Eigenverantwortung ist am Erkranken

23. April 2009 von Mathias · Gesellschaft, Kurze Gedanken

Nicht nur im Boulevard ist die Meldung von Nadja Benaissa (Ex-No-Angels-Sängerin), die einen (oder mehrere) Sexualpartner mit HIV infiziert haben soll, mittlerweile angekommen. Zuerst wurde die 26-Jährige in Untersuchungshaft überführt worden, wenig später wieder daraus entlassen. Der Tatverdacht lautet auf “schwere Körperverletzung”, was man angesichts des Ausmaßes der zu erwartenden Krankheit des HI-Virus durchaus nachvollziehen kann – wäre da nicht die klitzekleine Tatsache, dass zum Sexualkontakt immer zwei Menschen gehören, die beide für ihre eigene Unversehrtheit verantwortlich sind.
Und so ist es für mich eher verwundlicher, warum man nicht auch den männlichen Partner, der es offenbar nicht für nötig befunden hat zu verhüten, an den Pranger stellt. Nicht, dass das unbedingt vonnöten wäre (sein Schicksal ist wohl schon schwer genug), doch die ganze Schuld auf Benaissa zu legen untergräbt ebenfalls einen wichtigen Aspekt: den der Eigenverantwortung.

Jeder halbwegs gebildete Erwachsene ist sich darüber bewusst, dass so etwas wie Geschlechtskrankheiten oder durch Geschlechtsverkehr übertragbare Krankheiten existieren – Gonorrhoe, Syphilis und leider auch das HIV. So soll es doch zu erwarten sein, dass bei wechselnden Sexualpartnern (wogegen prinzipiell nichts auszusetzen ist) beide Teilnehmer auch an ihren eigenen Schutz denken – nicht nur vor ungewollter Schwangerschaft (wofür z.B. die Pille ausreichend wäre) sondern auch vor gesundheitlichen Konsequenzen.
Was man der Sängerin also höchsten vorwerfen könnte, wären zwei Dinge: Zum einen, dass sie trotz HIV-Infektion Sex hatte – was zum Glück nicht strafrechtlich relevant ist und höchstens aus einer sehr blockierten Moralvorstellung heraus entwachsen könnte. Oder aber, zum anderen, dass sie ihren Sexualpartner davon nicht in Kenntnis gesetzt hat. Das ist natürlich schon schwerwiegender, negiert aber nicht die Eigenverantwortung des Partners, sich beim sexuellen Kontakt mit einer Fremden selbst darüber zu informieren oder im Zweifelsfall einfach einen Gummi überzustülpen.

Im Gegenteil: Der Staat, der nun als Beschützer der “Opfer” Benaissas eintritt, fördert diesen Mangel an Verantwortung für den eigenen Körper und den Schutz desselben auch noch, indem er diejenige bestraft, die für den Mangel in Wirklichkeit am wenigsten kann. Sicher: Sie hätte den Mann oder die Männer darüber informieren sollen – aber diese hätten auch ohne jene Information ganz einfach verhüten können, so, wie das in unseren Tagen üblich und kein nicht zu bewältigendes Hindernis mehr ist.
Wozu braucht es für eine ohnehin schon kranke Frau dann noch Drohungen, Gefängnis und Geldstrafen? Welche Effekt wird damit wirklich erzielt?

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Bisher ein Kommentar ↓

  • Sarah

    Ein paar Magazine haben schon richtig festgestellt, dass dies eine moderne Hexenjagd ist.
    Die Geld- und/oder Gefängsstrafe halte ich nicht für zielführend, zumal man einem Menschen mit Geschlechtskrankheit nicht die volle Verantwortung zuteilen kann.
    Aber die Problematik hast du ja schon gut beleuchtet, wollte dir nur nochmal beipflichten.

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