
Ein Rückschlag für die Zukunftsträchtigkeit Österreichs: Bei der montäglichen EU-Abstimmung über eine mögliche Aufhebung des Genmais-Anbauverbots hierzulande wurde dieser Vorschlag der EU-Kommission mit bis zu 292 von 345 Stimmen abgelehnt, wodurch das Verbot weiterhin bestehen bleibt. Umweltminister Nikolaus Berlakovich freut sich wie ein kleines Kind und behauptet gemeinerhin, dass “Österreich und seine Bevölkerung gentechnikfrei bleiben wollen”, wohlgemerkt ohne jemals das Volk über dessen Einstellung gefragt zu haben – was lediglich den Rückschluss auf eine Meinungserhebung durch den regelmäßigen Konsum der “Kronen Zeitung” übrig lässt.
Was bedeutet dies nun für Österreich? Nicht nur gegenüber einem Importverbot von Genmais, beispielsweise aus den USA, blieb man jahrelang stur (auch wenn sich dies bald ändern könnte), auch was den Anbau betrifft verweigert sich die Politik seit eh und je einer Technologie, die laut Experten in spätestens 15 Jahren ohnehin Usus geworden sein wird – und das begründet auf fadenscheinigen Mäuse-Experimenten und der weit verbreiteten, jedoch irrationalen Angst vor dem großen Unbekannten. Wohlgemerkt: unbekannt in Österreich; in fortschrittlicheren Teilen der Welt wird schon jahrelang genetisch verändertes Gemüse angebaut und verzehrt. Schon schlimm genug, dass bei einer Aufrechterhaltung des allzu österreichischen Modells irgendwann mit Sanktionen der WTO sowie der USA zu rechnen ist – auch verbaut sich das Land selbst jene Möglichkeiten, die auf dem Weltmarkt in nicht allzu ferner Zeit enorm an Wichtigkeit gewinnen werden.
Dabei bleiben die wissenschaftlichen Beweisen für eine Schädlichkeit der so genannten “grünen Gentechnik” weiterhin aus – die einzige Gefahr, darüber ist man sich weitgehend einig, besteht für Biobauern, deren Saatgut mit dem der genmanipulierten Pflanzen vermischt werden könnte, was zu einem Wertverlust des Biogemüses führen würde. Doch es wäre nichts einfacher als der Erlass einer Verantwortungsklausel, die einen möglichen Schaden am Biogut zu 100 Prozent ersetzt – klarerweise aus den Kassen der umliegenden Gengemüsebauern, nicht aus denen des Steuerzahlers. So wäre der sichere Umgang mit der Gentechnik gewährleistet oder zumindest ein Risikofaktor eingedämmt – und vor allem ein ungerechtfertigter Bankrott eines Biobauern ausgeschossen. Wie die Gentechniknutzer diese Sicherheit (also die Vermeidung von Strafgeldzahlungen) dann für sich selbst umsetzen, bleibt ihnen überlassen.
Wenn also eine nicht zu verantwortende Gefahr für Mensch und Wirtschaft ausbleibt – wieso lässt man nicht einfach den Markt entscheiden? Was bei Bio- und medikamentverseuchtem Fleisch schon seit Jahren – auch in Österreich, man glaubt es kaum – funktioniert, würde doch ebenso gut bei genmanipuliertem und Bio-Gemüse klappen. Was wir dafür bräuchten (und nicht mehr als das) ist sofort naheliegend: Eine Kennzeichnungspflicht, die aber nicht als marktbasiertes Lenkungsinstrument funktioniert, sondern lediglich jedem Konsumenten die Freiheit bietet, eigenständig über den Kauf des von ihm favoritisierten Produktes zu entscheiden. Somit ließe sich auch ohne die oben erwähnten Probleme ganz einfach feststellen, ob der Genmais bei der Bevölkerung nun ankommt oder nicht, von der steigenden Eigenverantwortung, die uns durch die Politik sukzessive geraubt wird, ganz zu schweigen.
Eine zutiefst unösterreichische, aber machbare und vor allem fortschrittliche Lösung. Deren Umsetzung erscheint im Moment zwar äußerst unrealistisch, aber spätestens wenn die ersten Strafzölle auf die Exportwirtschaft und Köpfe der Steuerzahler niederprasselt, wird sich der Widerstand regen. Auch wenn dies natürlich bedeutet, mit lange gehegten Angstvorstellungen und der grassierenden Wissenschaftsfeindlichkeit brechen zu müssen.
Siehe auch: profil online: Was passiert mit den Biobauern in Österreich? sowie das Interview mit Werner Arber in der Printausgabe.
Fotocredits: Stoper @ Flickr



Anbauen darf man es nicht, aber zB Soja-Sprossen gibt es NUR in gentechnisch veränderter Form.. man würde sich wundern wo das Zeug alles drinnen ist. (Erst heute auf einer Knoppers-Zutatenliste gesehen, dass das drinnen ist.)
Dass ich pro Gentechnik bin (solange es natürlich kontrolliert betrieben wird, aber was sollte denn nicht kontrolliert betrieben werden?) muss ich ja nachdem ich das studieren nicht sagen. xD
Aber ich kann ja immer wieder nur sagen, dass die Leute einfach keine Ahnung haben wogegen sie sich überhaupt auflehnen. Österreichs Atomkraftpolitik versteh ich auch nicht, schön Strom aus Atomkraftwerken importieren, aber ein atomfreies (!) Österreich sichern! Und diese Engstirnigkeit zwingt mich nach dem Master wo anders Arbeit suchen zu müssen. D: