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Warum ich nichts zum Papst schreibe

10. Februar 2009 von Mathias · Gesellschaft, Längere Gedanken, Religion

Nicht nur in der islamischen Glaubensgemeinschaft gehen die Wogen hoch, auch das Oberhaupt der Katholiken, Papst Benedikt XVI., muss sich massiver Kritik aussetzen: So sorgt nicht nur die Rehabilitierung vierer Bischöfe der “Pius-Bruderschaft” für Empörung, von denen einer, Richard Williamson, ein notorischer Holocaust-Verharmloser ist – auch Gerhard Maria Wagner, der soeben zum Weihbischof der Diözese Linz ernannt wurde, ist ein begeisterter Verfechter von reaktionären Theorien wie der Schädlichkeit von Harry-Potter-Romanen, Umweltkatastrophen als Strafe Gottes oder der Heilbarkeit einer homosexuellen Orientierung. Kein Wunder, dass in österreichischen Blogosphäre großteils anprangernde Stimmen zu vernehmen sind (Links siehe am Ende des Artikels).

Doch für einen Atheisten oder prinzipiellen Kritiker der Religion sollte ist es eigentlich schier wunderbar zu sehen, wie sich die einzelnen Glaubensgemeinschaften ganz von selbst dekonstruieren. Sicher, leider führen weder derart fragwürdige Entscheidungen seitens des katholischen Oberhauptes, noch demokratiefeindliche Islamlehrer beide Religionen in den Konkurs. Doch bedenkt man einerseits den öffentlichen Protest, andererseits die 40.595 Österreicher, die bereits 2008 aus der katholischen Kirche ausgetreten sind, lässt sich nur eine deutliche Steigerung dieser Zahl erwarten – und damit eine Bewegung hin zum konfessionslosen Österreich.

Zustimmung innerhalb der Bevölkerung haben die Revisionisten, Homosexuellen-Heiler und radikalen Islamisten schließlich nur marginalisiert erhalten, dafür ist beispielsweise die Debatte um die Abschaffung bzw. Einschränkung des Religionsunterrichtes in den medialen Fokus gerückt, wodurch eine parlamentare Debatte zumindest wahrscheinlich erscheint – auch wenn es schwer fällt eine Partei zu finden, die konsequent auf den Zug aufspringt: Von SPÖ-Faymann und ÖVP-Pröll lässt sich, wie so oft, nichts Konkretes erwarten – man wolle ja nicht “gleich mit Paragrafen wacheln“. Eine FPÖ, die sichtlich entzürnt über das §188-Urteil ihrer Nationalratsabgeordneten Susanne Winter ist, ist bei der Islam-Kritik zwar wie immer ganz vorne dabei, scheint zu den katholischen Skandalen aber kaum Stellung zu nehmen; was sich bestimmt auch nicht vom BZÖ erwarten lässt, immerhin sitzt der “freie Mandatar” Ewald Stadler in deren Reihen, ein gern gesehener Gast sowohl auf dem Webportal kath.net, als auch beim fundamentalistischen kreuz.net, wo er über Freimaurer-Verschwörungen und seine Bekehrung schwafeln darf. Und bei den Grünen? Dort wird zwar vereinzelt berechtigte Kritik geäußert, schlussendlich aber bloß eine “verpflichtende staatliche Ausbildung für [islamische] Religionslehrer” gefordert, sowie der Rücktritt Anas Shakfehs – kein Wort über einen allgemein kritischeren Umgang mit dem staatlichen Verhältnis zur Religion.

Es bleibt in diesem Fall also beim Bürger an sich hängen, ob sich etwas Konkretes tut. Fakt ist, dass der Papst nicht nur in Österreich durch dererlei Aktionen immer mehr an Glaub- und Vertrauenswürdigkeit verliert, aber dennoch an seinem konservativen Kurs strikt festhält. Ob dadurch irgendwann eine Renaissance des Verständnisses vom österreichischen Laizismus stattfindet, bleibt aber lediglich hoffenswert – es wäre jedenfalls angebrachter, die Herrn und Frauen Volksvertreter in diese Richtung zu bewegen, anstatt vergeblich am altbackenen Weltbild eines Josef Ratzinger zu rütteln.

Links
» Der Lindwurm: “Frohe Botschaft: Homosexualität ist heilbar, sagt die Katholische Kirche”
» Marco Schreuder: “Bischof Wagner und der Holocaust-Leugner, der das auch mit 9/11 macht.”
» Oliver Ritter: “Gesunde Menschen benötigen keine Heilung!”
» Rigardi.org: “Du, sag einmal Loub…”
» Supernature: “Sollte man sich wieder einmal fragen, warum man Atheist wird…”
» Zur Politik: “Der Antisemit Williamson, der Papst und die Connection zu FPÖ und BZÖ”
» Zwischenruf: “Zurücklehnen, zuschauen, genießen…”

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Bisher 4 Kommentare ↓

  • Thomas

    “Österreichischer Laizismus” klingt etwas paradox…

  • Mathias

    Naja, zumindest in den Köpfen vieler Bürger scheint er prinzipiell vorhanden zu sein. Dass die Umsetzung ganz und gar nicht geglückt ist, ist ja eben die Sache die man mal überdenken sollte.

  • Krapfnzuzler's ominöses Weltblog

    Der Papst und die Bruderschaft…

    Bei der Aufhebung der Exkommunikation bei vier Bischöfen der Pius-Bruderschaft ging es dem Papst meines Erachtens darum, die seit Jahrzehnten betehende Spaltung zwischen der römisch-katholischen Kirche und dieser Glaubensgemeinschaft zu kitten.
    Dies …

  • Hannah

    Ich weiß. Leider. Keine Ahnung was da los ist. Ich denke, sie weiß es mittlerweile auch.

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