
Eine neue Trendwelle macht sich langsam in den USA breit: Hunderte Konsumenten stürmen einen Laden, kaufen dort wie wild und feiern eine riesige Party – und das nicht etwa völlig sinn- und zweckfrei, sondern zum Wohle ihrer Umwelt. “Carrotmobs” heißen diese Veranstaltungen, bei denen möglichst viele Menschen zum Einkaufen in einem einzigen Laden mobilisiert werden, der sich im Ausgleich für den Umsatzaufschwung zur Investition eines prozentualen Betrages in umweltschonende Maßnahmen verpflichtet. Die Nachfrage war schon beim allerersten Event in San Francisco groß – zwanzig Geschäfte hatten sich um die Gunst der Teilnehmer beworben, jener mit dem Versprechen, 22 Prozent des erzielten Umsatzes für Energiesparlampen und umweltfreundliche Kühlschränke auszugeben, erhielt den Zuschlag.
In Anlehnung an die mittlerweile allerorts populären “Flashmobs” heißt es also “buykott” statt “boykott” – wie das ganze in der Realität aussieht, lässt sich auf der offiziellen Seite ansehen. Für den Verkäufer des Ladens lohnte sich das Geschäft: Er erzielte in den drei Stunden, die das Ereignis andauerte, das Vierfache des sonst üblichen Umsatzes eines ganzen Tages.
Meiner Meinung nach wäre es nur wünschenswert, würde sich diese Praxis etablieren und auch nach Europa überschwappen. Natürlich kann ebenso der Boykott ein geeignetes Mittel sein um Forderungen durchzusetzen – allerdings ist er meist auch mit Restriktion und Verbotsforderungen verknüpft. Beim “Buykott” hingegen wird das System der freien Marktwirtschaft intelligent ausgenutzt, wovon letztendlich alle etwas haben: Die Konsumenten ihren Spaß, der Unternehmer sein Geld und “die Umwelt”, wenn man so will, einen Ausbau von Schutzmaßnahmen seitens des Menschen. Selbstverständlich könnte man für das Angebot des Massenkonsums auch einen selbst auferlegten Umweltschutz bei den Geschäftspraktiken des “gemobbten” Unternehmens als Bedingung stellen (beispielsweise was das Recycling oder den Gebrauch naturschädlicher Stoffe betrifft) – wichtig ist bloß, dass diese auf Freiwilligkeit und Einvernehmlichkeit basiert und nicht auf erpressunsartigen Forderungen.
Nachdem die Kultur des freiwilligen Helfens für höhere Zwecke schon bei Barack Obamas Wahlkampagne äußerst erfolgreich war, bleibt zu hoffen dass es sich beim “Carrotmobbing” nicht um eine kurzlebige Modeerscheinung handelt, sondern es sich als längerfristige Marktpraxis festigt. Das Potential wäre auf jeden Fall vorhanden, die Mittel einfach, aber genial.
Fotocredit: meganpru @ Flickr



The Flowers Are Gone » Die Vorwahlen und ich am 9. Jun 2009 um 23:48
[...] schadet denn nützt. Oder durchaus der Meinung bin, dass sich Marktwirtschaft und Umweltschutz vereinbaren lassen, wenn man nur kreativ an die Sache herangeht. Anders ausgedrückt: Mein Verhältnis zu den [...]