Header

Rinks? Lechts? Freiheit.

The Flowers Are Gone header image 2

Warum nicht?

8. November 2008 von Mathias · Gesellschaft, Politik

Am 4. November wurde in den USA nicht nur der neue Präsident der Vereinigten Staaten gewählt. Auch eine Reihe anderer Wahlen fanden statt, so neben denen für den Senat und das Repräsentantenhaus eine Vielzahl an wählbaren Bürgerinitiativen, unter anderen die “Proposition 8” in Kalifornien. Diese hatte zum Ziel, das Heiratsrecht für Homosexuelle, das am 16. Juni dieses Jahres für verfassungsgültig befunden wurde, mit einem Gesetzeszusatz wieder aufzuheben, der da schlichtweg lautet: “Only marriage between a man and a woman is valid or recognized in California.” Die Befürworter der im Vorfeld medial heftig beworbenen Kampagne (wenngleich auch viel Geld in Kontrawerbung gesteckt wurde) gewannen mit 52,5% gegenüber den 47,5%, die gegen “Prop 8″ stimmten.

Seit besagtem Junitag heirateten geschätzte 18.000 homosexuelle Paare im “Golden State” – sie gaben sich wegen ihrer – hoffentlich – aufrichtigen Liebe zueinander das Ja-Wort, das ihnen nicht nur gemeinsame Rechte und Pflichten zuspricht, sondern gleichzeitig einen Ausdruck tiefster, freiwillig gewählter Innigkeit in einer Beziehung darstellt. Das Recht, eine Partnerschaft derart zu vertiefen, wurde allen Homosexuellen Kaliforniens nun genommen. Zusätzlich verlangen die Initiatoren der Volksabstimmung, dass alle bis dato geschlossenen Ehen rückwirkend annuliert werden, was jedoch erst vor Gericht geprüft werden muss.
Die Begründungen für diese Wahl sind hinreichend bekannt und werden immer und immer wieder mantraartig heruntergebetet, wenn es um die Rechte von Homosexuellen geht: Schutz der Ehe zwischen Mann und Frau, Kinderlosigkeit, Gottes Wort. Prinzipiell wird also über ein verstaubtes, Tausende Jahre altes Buch gegen die staatlich gefestigte Liebe zweier Menschen argumentiert, rationale oder auch nur über den emotionalen Spiegel hinaus gedachte Meinungen fehlen vollends. Zudem werden Abstimmungen wie die solche einem als Demokratie verkauft, das Volk entscheidet schließlich. Bei näherem Hinblick sind sie jedoch höchst undemokratisch, da eine Mehrheit über eine Minderheit in Belangen entscheidet, die mit dem Status und Wohlbefinden der Mehrheit überhaupt nichts zu tun hat. Was hier geschieht ist bloß, dass ein Großteil der Bevölkerung einem kleineren Teil ihre kruden Moralvorstellungen aufzwingen will, und das auch noch mittels Gesetzen und dem Recht, vor dem angeblich alle gleich sind.
Es bleibt also bloß zu hoffen, dass der Supreme Court den Zusatz letztendlich als nicht verfassungskonform ansieht und damit den Willen von 52% der Kalifornier übergeht. Normalerweise würde ich derartigem nicht zustimmen – wenn jedoch das Gericht mehr Intelligenz und liberales Denkvermögen beweist als eine derart große Menge an Bürgern, soll mir das nicht nur recht sein, es zeigt auch, wie verblendet und mittelalterlich mancheiner auch im Jahr 2008, dem des schwarzen Präsidenten Barack Obama, ist.

Tags:

Bisher kein Kommentar ↓

Noch niemand hat was geschrieben - sei der/die Erste!

Hinterlass einen Kommentar

Improve the web with Nofollow Reciprocity.