Header

Rinks? Lechts? Freiheit.

The Flowers Are Gone header image 2

Die Würze in der Unfreiheit

19. November 2008 von Mathias · Konsum, Kurze Gedanken

Im gestrigen Standard wird über eine neue Droge berichtet: “Spice” heißt das Zeug und soll angeblich ähnliche Wirkung haben wie Marihuana, ist allerdings legal und bei Drogentests nicht nachweisbar. Man findet es sie “Ethnoshops”, geraucht werden soll das Zeug.
So weit so gut – klingt ja schon mal recht ordentlich. Die Reaktion von Vater Staat ist aber natürlich, dass man auf ein Verbot der Kräutermischung hinarbeitet. Großzügigerweise will Drogenkoordinator Franz Pietsch erst mal die Einstufung der Substanz nach dem Arzneimittelgesetz “hinterfragen” bzw. eine länger angelegte Studie starten – das BZÖ hingegen kündigt schon einen Entschließungsantrag zum Verbot der Droge an, weil ja nicht sein kann, was nicht sein darf.

Es läuft also alles darauf hinaus, dass der freiwillige und selbstbestimmte Konsum einer Droge – Tabak und Alkohol wie immer ausgenommen – nicht sein darf. Dass der Bürger in seinen persönlichen Entscheiden nicht frei sein darf, dass er nicht Substanzen ausprobieren darf, von denen er sich eine positive Wirkung verspricht, diese jedoch nicht vollends gesichert ist.
Dabei ist der derzeitige Rahmen doch ideal: Abgabe durch konzessierte Händler, die man meinetwegen auch auf ihre Seriosität überprüfen darf (mit “man” ist hier eine staatliche Behörde – welche auch immer – gemeint), Verkauf nur ab 18, in handelsüblichen Mengen. Ergo kein illegaler Privathandel mit womöglich gestrecktem Zeug, zusätzliche Steuereinnahmen und glücklichere (freiere) Bürger. Aber all das ist natürlich nichts wert, wenn es darum geht, “unsere Jugend” vor den bösen Gefahren von ein paar Naturstoffen zu schützen, wenn selbsternannte Sittenwächter besser wissen, was für 99% des restlichen Volkes gut ist, wenn Doppelmoral vollkommen in Ordnung ist, solange bloß überhöhte Steuern dadurch eingetrieben werden können.

Ergo werde ich mir demnächst was vom “Spice” besorgen und die Wirkung selbst testen, solange sich noch niemand anmaßt mir gesetzlich vorzuschreiben, ob die Droge nun gut für mich ist oder nicht. Ich habe das Gefühl, dass es bis dahin nicht mehr lange dauern wird.

Tags:

Bisher 8 Kommentare ↓

  • Sam

    In Deutschland scheint das übrigens schwerer zu verbieten zu sein als bei euch. Jedenfalls laut Wikipedia. Ich geh heute nach der Arbeit mal bei meinem Headshop deswegen vorbei.

  • blub

    Und wenn du das kaufst, werd ich’s dir wegnehmen und wegschmeißen ^____^

  • chuck

    ich weiss ehrlich gesagt nicht wie sehr hanf jemanden benebelt, aber ich geh jetzt mal davon aus, dass man bekifft nicht sehr strassentauglich ist.
    wenn spice jetzt eine ähnliche wirkung wie hanf hat, stellt das am ende doch ein risiko für andere strassenteilnehmer dar. besonders wenns nicht nachweisbar ist, kann mans weder bestrafen noch verhindern.

    und wenn die mehrheit des landes leute wählt, die sowas verbieten wollen, dann ist das ja auch die wille des volkes die eigene freiheit aufzugeben. du kannst dich ja dann beim volk beschweren. bei dir klingts ja fast so als wär österreich ein von einem diktator geleiteter schurkenstaat

    und als ich den letzten absatz gelesen habe musst ich doch tatsächlich an eine klischeehafte, pubertierende teeniegöre denken. nicht, dass du eine wärst. aber es klang halt so, tihi.

    (das ganze ist wohl etwas verwirrend geschrieben, verzeih mir das)

  • Sam

    Chibi, sehr geile Sache, ausprobieren, das White Album hören und dick pimpern. Top.

  • Mathias

    @Chuck: Wer redet vom Autofahren? Das ist unter jeglichem Drogeneinfluss verboten (und das ist auch gut so); mit dem Argument könntest du also genauso gut Alkohol verbieten lassen, weil man sich ja im Vollrausch ins Auto setzen und jemanden umfahren könnte. Gibt leider genug Idioten, die das machen, dafür können die 99% der Alkoholtrinkenden, die mit den Öffis heim fahren, jedoch nichts.

    Zum Willen des Volkes: Abgesehen davon, dass ich der repräsentativen Demokratie generell nicht viel abgewinnen kann, rechtfertigt das nicht jeglichen Freiheitsentzug durch die 183 Abgeordneten und deren Schanis. Österreich ist beileibe keine Diktatur, aber unabhängig von der Staatsform werde ich den Freiheitsentzug von Bürgerrechten bei persönlichen Angelegenheiten immer verurteilen – weil wohl kaum 100% der Österreicher dafür gestimmt haben, dass man auch beispielsweise Haschisch verbieten soll. Und sobald eine Minderheit in solchen Belangen übergangen wird, ist das System (oder die dahinter arbeitenden Politiker) insofern scheiße. In dubio pro libertate halt.

    @Sam: Alles klar. :D

  • Betz

    Ich werd dir das nie verzeihen, wenn du das nehmen solltest.

    So mit seinem Leben zu spielen.
    Das ist unverantwortlich und total unvernünftig.
    Nicht mal Wissenschaftler wissen, was in dem Zeug alles drinnen ist.
    Also wenn dir etwas passiert, kann man dir nicht helfen.
    Da kannst du ja gleich russisches Roulette mit einer Pistole spielen.

  • chuck

    das hauptargument dagegen war eigentlich das nicht nachweisbar.
    wie will mich jemand bestrafen oder wie will das jemand verhindern, wenn ich ’spiced’ (haha, neues modewort!) autofahre? ich meine ich kann mir gut vorstellen, dass wenn jemand zu freunden fährt und dort halt geraucht wird, die versuchung gross ist halt trotzdem heim zu fahren wenn man am nächsten tag arbeiten muss. und wenn man halt nicht kontrolliert werden kann gibts ja auch keine probleme, solange man keinen unfall baut. aber irgendwann passiert halt etwas.

  • Mathias

    Du hast Recht., darauf bin ich wirklich nicht eingegangen. Ich weiß darauf aber ehrlich gesagt auch keine Antwort, auch weil ich es nicht für sonderlich immanent halte, ob eine Droge nun nachgewiesen werden kann oder nicht.. Solange klar ist, wer den Unfall verursacht hat (und das ist meist auch ohne Drogenkontrolle der Fall), hat dieses Argument eher wenig Wert und bezieht sich doch eigentlich nur auf einen Sonderfall.

Hinterlass einen Kommentar

Improve the web with Nofollow Reciprocity.