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Rinks? Lechts? Freiheit.

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Mohren, Inuit und Schuhhersteller

26. Juli 2009 von Mathias · 1 Kommentar · Fundsachen, Gesellschaft

Im Zuge der “Mohr im Hemd”-Debatte ist auch öfters der Aspekt beleuchtet worden, dass schon der Firmennamen “Eskimo” ja eigentlich nicht ganz koscher sei – immerhin weiß heutzutage bereits jedes Kind politisch korrekter Eltern, dass es sich dabei in Wirklichkeit um eine böse Diskriminierung nördlicher Völker als “Rohfleisch(fr)esser” handelt. In unseren Kreisen wird demzufolge das Wort “Inuit” als entsprechende Bezeichnung angeraten.

Interessant wird es für den aufgeklärten Menschen jedoch, wenn er sich ein wenig auf Wikipedia umsieht. Dort ist nämlich Folgendes zu lesen:

“Eskimo” ist eine ursprünglich von Cree- und Algonkin-Indianern verwendete Sammelbezeichnung für die mit ihnen nicht verwandten Völker im nördlichen Polargebiet. Das Wort soll sich nach Auffassung von Ives Goddard [...] etymologisch aus dem Cree-Wort “aayaskimeew” = “Schneeschuhmacher” herleiten.

Der Linguist Jose Mailhot aus Québec, der die Sprache Innu-Montagnais beherrscht, veröffentlichte 1978 eine Untersuchung, in der er den Begriff aus dieser Sprache ableitet und mit “Menschen, die eine andere Sprache sprechen” übersetzt.

Die frühere linguistische Herleitung aus der Sprache der Anishinabe “ashkipok” = Rohfleischesser gilt heute als widerlegt und lässt sich daher nicht mehr vertreten. Diese frühere Worterklärung führte bei den Inuit zur Ablehnung des Wortes “Eskimo”, da sie “Rohfleischesser” als abwertend empfanden.

(Quelle mit weiteren Quellangaben)

Aber selbst unter den nördlichen Völkern scheint man sich mit der politisch korrekten Bezeichnung nicht ganz einig zu sein. So heißt es im Eintrag zu “Inuit“:

Die Bezeichnung Eskimo(s) wird zwar häufig im selben Wortsinn angewandt, doch handelt es sich streng genommen hierbei um einen Oberbegriff, der auch entfernter verwandte arktische Volksgruppen mit einbezieht. Hingegen ist der Begriff “Inuit” deshalb für übergeordnete Verwendung wenig geeignet, weil er nicht im Wortschatz aller im Umkreis des Nordpols lebenden eskimoischen Volksgruppen enthalten ist.

[...]

Die Verwendung des Begriffs “Eskimo” ist rückläufig, “Inuit“ ist jedoch kein Synonym. Daher hat sich “Inuit” als alternative Vokabel im nordwestlichen Kanada, in Alaska und auf der Tschuktschen-Halbinsel bislang nicht durchgesetzt: Die dort lebenden Volksgruppen haben die Vokabel nicht in ihrem Wortschatz; sie bezeichnen sich zwar ebenfalls als “Mensch(en)”, doch je nach Sprachgruppe mit den Wörtern “Inupiat”, “Sugpiaq” und “Yupik“. Die Inupiat z. B. sehen sich nach wie vor als “Eskimo(s)” an und halten das keineswegs für herabsetzend. Bei den im mittleren Norden und im Nordosten Kanadas lebenden Inuit sind die Auffassungen in dieser Frage dagegen unterschiedlich: Während die einen die Bezeichnung “Eskimo” als politisch inkorrekt einstufen und sich ausschließlich als “Mensch(en)” (= Inuk/Inuit) bezeichnet sehen möchten, nennt sich die in Inuit-Besitz befindliche, international durch den Vertrieb von Inuit-Kunst bekannte Kooperative von Cape Dorset im Territorium Nunavut seit ihrer Gründung unverändert “West Baffin Eskimo Cooperative”.

Man merke: Als nicht betroffener Europäer kann man sich mit vermeintlich politischer Korrektheit ganz schön vertun. Würde man hier dieselbe Taktik anwenden, die bei der Untermauerung von “Mohr im Hemd” als diskriminierende Bezeichnung verwendet wurde – nämlich die alleinige Berufung auf einen Sprecher der Black Community -, käme man, je nach Präferenz, zu zwei völlig verschiedenen Resultaten: Einerseits zu dem, dass “Eskimo” diskriminierend ist, andererseits zu jenem, dass es völlig in Ordnung ist, “Eskimo” als Überbegriff zu verwenden und für die einzelnen Volksgruppen dann spezielle Begriffe wie eben “Sugpiaq” oder “Yupik” einzusetzen.

Wie immer ist es also von Vorteile, verschiedene Meinungen einzuberufen und den Blick für das Gesamte zu wahren. In dieser Hinsicht wäre es also interessant, würden sich andere Mitglieder der (sehr offenen) Black Community hinsichtlich des Mohrs im Hemd zu Wort melden. Erst dann lässt sich vernünftig debattieren, ob man überhaupt von einem “Diskriminierungsgefühl der Betroffenen” sprechen kann.

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Zum schwarzen Sommerloch

24. Juli 2009 von Mathias · 13 Kommentare · Gesellschaft, Politik

Das Sommerloch füllt derzeit eine Debatte, wie sie typischer nicht sein könnte. Anstoß des multimedial verbreiteten Aufregers ist eine Kampagne des Eisherstellers Eskimo, der seine neue Sorte “Mohr im Hemd” mit dem Spruch “I will mohr” vor allem über Plakate bewirbt. (Der “Mohr im Hemd” ist eine in Österreich weit verbreitete Süßspeise und nicht etwa eine Kreation der Eisfirma.) Die obersten Moralwächter der Nation attestieren dem Mutterkonzern Unilever deswegen nun “Rassismus” – und ihre Thesen von der “sprachlichen Unterdrückung” stützen sie vor allem auf die Aussage eines selbsternannten Sprechers der Black Community, Simon Inou, der darin “eine der schwersten Beleidigungen” sieht. Auch die heimische Bloggergemeinschaft hat dementsprechend reagiert; so schrieb etwa Andreas Lindinger einen offenen Brief an die Werbeverantwortlichen, den er mit Sätzen wie “gerade in Zeiten steigender rassistischer und rechtsextremistischer Vorfälle in diesem Land würde ich mir [...] erhoffen, dass [Unilever] den Mut aufbringt, sich seiner gesellschaftlichen Verantwortung zu stellen.” Also so, als ob das Unternehmen quasi mit schuld daran wäre, dass in Österreich echte rassistische Verbrechen geschehen oder aber diese tolerieren oder fördern würde.
Das Kritische an dieser Debatte ist also weniger, dass der Rassismus-Vorwurf ins Spiel gebracht wird und die Werbekampagne auf ihre politische Korrektheit hin angezweifelt wird. Das ist schließlich das gute Recht eines jeden freien Bürgers. Kritisch und hinterfragenswert ist bloß, dass die Entsprechenden wieder einmal mit der Nazi-Keule nur so um sich schlagen – ganz nach dem Motto “Zweifler sind doch alles Faschisten!”

Denn gute Zweifel an der Sinnhaftigkeit dieser Gegenkampagne gibt es durchaus. Der ist meines Erachtens nach vor allem auf sprachlicher Ebene zu lokalisieren, konkret in der Überbewertung von Konnotation bei gleichzeitiger Unterbewertung von Intonation und Kontext: Das Wort “Mohr” wird für sich stehend als abwertende Bezeichnung kritisiert, ohne jedoch den eindeutig nicht rassistischen Zusammenhang zu berücksichtigen. Schließlich fährt Unilever ja keinen Affront gegen Mitbürger schwarzer Hautfarbe oder ist gar bewusst auf Beleidigung aus, sondern bewirbt mittels einer gängigen Bezeichnung eine neue Eissorte, die laut der Pressesprecherin bei einer vorhergehenden Überprüfung auch “ausschließlich” mit der österreichischen Mehlspeise assoziiert wurde. Etwas anderes hätte mich auch gewundert, da einerseits dieser Zusammenhang (als Teil von “Mohr im Hemd”) kaum eine andere geistige Verknüpfung zulässt, andererseits Eskimo bzw. Unilever nicht für rassistische Übergriffe (auch sprachlich gesehen) bekannt sind. Zugunsten der überbewerteten historisch-negativen Konnotation werden also die beiden anderen genannten Faktoren – Intonation des Sprechers sowie der Kontext, in den der Begriff eingebunden ist – bewusst ausgeblendet. Diese Versteifung auf “Mohr” als “böses Wort” lässt aber an der ernsthaften Betroffenheit zweifeln, ebenso wie am Differenzierungsvermögen jener, die sich als Rächer der Entrechteten aufspielen.

“Was beleidigend ist, definiert immer noch der Beledigte selbst” – meint Philipp Sonderegger, Pressesprecher von SOS Mitmensch, womit er prinzipiell natürlich Recht hat. Nur: Ob die restliche Gesellschaft das Beleidigtsein auch anerkennt, ist eine ganz andere Frage. Und genau um die geht es, wenn von Eskimo verlangt wird, sie mögen die Kampagne beenden, sowie von sämtlichen Bürgern, die Bezeichnung “Mohr im Hemd” aus ihrem Sprachschatz zu streichen. Eine demokratische Gesellschaft funktioniert aber ganz und gar nicht nach dem Prinzip, wonach sämtliche Wünsche beliebiger Minderheiten von der Mehrheit auch akzeptiert werden müssen. (Das gilt umgekehrt natürlich genauso, ist hier aber nicht relevant.) Es steht außer Frage, dass die Betroffenen ihre Anliegen an die Mehrheitsgemeinschaft äußern dürfen. Bei einer Nichtakzeptanz aber gleich mit “Rassismus” und “Faschismus” anzutanzen, ist eine Hysterie, die im politischen Diskurs nichts zu suchen hat. Die Schuld kann man hier absurderweise aber nicht einmal den Black-Community-Vertretern geben, sondern ihren weißen Mitkämpfern, die eine derart irrelevante Debatte an die Spitze treiben.

Um zum Schluss aber noch ein paar Dinge klarzustellen: Es geht mir nicht um die zwanghafte Erhaltung eines bestimmten Begriffes. Wenn die gesamte Sprachgemeinschaft bzw. ein Großteil beschließt, das Wort “Mohr” vollständig zu verwerfen, ist das kein Übel. Auch soll der Anspruch einer bestimmten Gruppierung auf respektvolle Behandlung durch die restliche Bevölkerung nicht untergraben werden.
Nichts anfangen kann ich aber einerseits mit übertriebenen Kampfbegriffen, um eine vermeintlich moralische Überlegenheit zu untermauern, andererseits mit der bewussten Ignoranz und Diffamierung plausibler Argumente, wenn sie dem Political-Correctness-Mainstream, der mittlerweile so gut wie alle Linken erfasst hat, entgegenlaufen. Genau das ist aber leider die gängige Herangehensweise bei diesem und ähnlichen Themen: Vom Zeitgeist getrieben wird versucht, es allen Minderheiten möglichst recht zu machen, ohne die Bedürfnisse der Mehrheitsgesellschaft zu berücksichtigen. Dabei sollte das Ziel doch eine Aufhebung dieser spaltenden Umstände sein, nach der niemand mehr oder weniger Rechte besitzt, weil er einer bestimmten Gruppierung angehört. Ohne es zu bemerken verstärken die Gutmenschen die derzeitigen Verhältnisse aber noch: Und zwar indem sie nicht nur einen künstlichen Aufreger provozieren, der einfach gestricktere Geister (von denen es viel zu viele gibt) vor allem entzürnt, sondern zusätzlich noch eine umgekehrte Privilegisierung forcieren, die sie eigentlich aufheben wollen.

Siehe auch
» BäckBlog: PC
» Feuerhaken: Captain Gutmensch rettet die Welt
» Zwischenruf: Geht’s bald auch den Schwedenbomben an den Kragen?
» 200€ fürs Sommerloch!

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Das Verletzen atheistischer Gefühle

20. Juli 2009 von Mathias · 1 Kommentar · Religion

In ihrer atypisch fehlenen Objektivität veröffentlichte das Gratisblatt heute in ihrer Montags-Ausgabe eine handvoll Leserbriefe zu den “Anti-Gott-Plakaten”, die allesamt dem Grundtenor “Frechheit!” folgen bzw. die Zeitung an sich loben, weil sie jede Woche Kardinal Schönborn Raum für christlich-reaktionäre Gedanken aller Art bietet und dann ausnahmsweise mal über die Plakate “FÜR Atheismus und GEGEN Gott” berichtet.

Hier zwei Zitate, die in ihrer Verschmelzung einen interessanten Effekt bieten:

Ich in der Ansicht, jeder Mensch soll glauben und denken dürfen, was er will. Aber niemand soll andere provozieren!

und

Für uns als Christen ist es eine Zumutung, dass Texte, die die Existenz Gottes leugnen, öffentlich angebracht werden. Diese Plakate verletzten die religiösen Gefühle auch Angehöriger anderer Religionen.

Mir ist klar, dass es sich dabei um zwei verschiedene Schreiberlinge handelt. Es geht mir aber mehr um das Grundsätzliche, das in diesen Aussagen liegt: Nämlich dass der Atheismus einerseits eine legitime Weltanschauung ist, die sich mit dem Glauben auseinandersetzt (”Religion” ginge zu weit), andererseits das “Verletzten religiöser Gefühle” gegenüber Atheisten offenbar nicht gilt.
Denn wie lässt es sich anders erklären, dass die von Kardinal Schönborn und der katholischen Kirche zu Weihnachten und Ostern inserierte Plakate, die die Existenz Gottes bzw. Jesu propagierten, zu keinem derartigen Aufschrei geführt haben? Müsste man nicht auch annehmen, damit die religiösen Gefühle von Ungläubigen verletzt zu haben?
Immerhin werden auf den Atheisten-Sujets Gläubige weder direkt beleidigt, noch verhöht. Es wird lediglich bestritten, dass so etwas wie ein “Gott” – also eine bestimmte Idee bzw. ein Begriff – tatsächlich existiert. Eine im weltanschaulichen Diskurs legitime Ansicht – aber öffentlich ausgestellt wird daraus plötzlich eine “Beleidigung”. Ich kann nur Vermutungen anstellen, aber eine beläuft sich darauf, dass einige Gläubige sich deshalb angegriffen fühlen, weil sie sich zum ersten Mal mit der Existenzfrage überhaupt auseinandersetzen müssen. Es ist doch soviel bequemer, sich einfach auf die Heilslehre der Kirche zu verlassen – und dann kommen da plötzlich ein paar Aufmüpfige und stellen deren Grundthese infrage. Fast schon logisch, dass sich da die Vernunft ausstellt.

Gespannt darf man auf den Dezember sein – denn ich bin mir sicher, dass in dieser Zeit wieder das eine oder andere Plakat die Herrlichkeit Gottes verkünden wird. Werden dann einige Atheisten aufstehen und Klage erheben, weil die Dinger ihre (un-)religiösen Gefühle verletzen? Oder kann man davon ausgehen, dass Atheisten tendenziell eher auf dem Boden bleiben und Gegenmeinungen gelassener gegenüber treten?

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Die Buskampagne dreht sich

18. Juli 2009 von Mathias · 2 Kommentare · Medien, Religion

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Nun gibt es sie also doch, die Atheisten-Kampagne in Österreich, wenngleich entgegen des geflügelten Wortes nicht mehr als “Buskampagne”, sondern auf den City Lights der GEWISTA. Auch das entsprechende Echo ließ nicht lange auf sich warten – so tituliert die Gratis-Postille heute bereits diesen Morgen ihre aktuelle Ausgabe mit der (rhetorischen?) Frage: “Plakate gegen Gott: Darf das denn sein?” und schreibt mit der gewohnt fehlenden Objektivität von einer Kampagne “FÜR Atheismus und GEGEN Gott”. Zu Wort kommen lässt sie einen der “Hunderten verärgerten Wiener”, der den Initiatoren rät, doch mit “‘Allah ist tot’-Plakaten durch Bagdad zu fahren” und dabei unbewusst die religiöse Ignoranz einer Theokratie mit dem Klima hierzulande vergleicht. Zugute halten kann man heute nur, dass sie den “schärfsten” Slogan (”Es gibt keinen Gott – Gutes tun ist menschlich”) großformatig neben der Geschichte abdruckt und somit für weitere direkte Werbung sorgt.
Besser sieht es schon in der Presse aus – zwar gibt es auch dort vor allem intelligenzfreie Häme von Chefredakteur Michael Fleischhacker, der entsprechende Artikel ist aber zumindest einer Qualitätszeitung würdig und obendrein findet sich gleich daneben ein zutraulicher Kommentar von Almuth Spiegler. Der Standard hält sich ungewohnterweise mit der Berichterstattung zurück, aber vielleicht kommt da noch was.

Welche Bilanz lässt sich also zur Kampagne ziehen?
Zuallererst muss festgehalten werden, dass es bisher lediglich drei Sujets sind, die am unteren Ende der Mariahilferstraße ausgestellt wurden – und dennoch eine enorme Wirkung zeigen. Ob die gewünschte, ist eher fraglich, denn leider zeigt die Initiative vor allem, dass das Gros der Österreicher noch nicht reif genug ist, sich mit als kontrovers empfundenen Weltanschauungen auseinanderzusetzen. Von einer “Beleidigung” ist oftmals die Rede, einem intoleranten Angriff auf religiöse Gefühle. Dabei wird nichts anderes getan, als mit Bestimmtheit und Witz eine Meinung zu glaubensbezogenen Sachverhalten zu publizieren – also genau dasselbe, was Kardinal Schönborn und seine Kirche zu Weihnachten und Ostern großflächig getan haben. Es ist bezeichnend, dass sich damals nicht nur kaum jemand beschwert hat, sondern auch der österreichische Werberat sich erst durch die Atheisten-Kampagne dazu bemüßigt gefühlt hat, künftig die Kompatibilität veröffentlichter Inserate mit den religiösen Befindlichkeiten der Allgemeinheit zu überprüfen. Immerhin stimmte – noch – eine knappe Mehrheit für das Prinzip der Religionsfreiheit, das – man möchte fast sagen gnädigerweise – auch die Meinung von Atheisten betrifft.

Interessant in diesem Zusammenhang sind auch die Aussagen diverser Kirchenvertreter. Ein oft zitierter Satz ist derzeit jener von Erich Leitenberger, dem Sprecher der Erzdiözese Wien, der sich auf Friedrich Nietzsches – wie immer missverstandenen – Ausspruch “Gott ist tot” bezieht und dabei feststellt, dass “sich mittlerweile herausgestellt hat, Nietzsche ist tot und Gott lebendig.” Abgesehen davon, dass es von Gott ebensowenig ein Lebenszeichen gibt wie von Nietzsche (und bei einer Berücksichtigung des Prinzips, wonach das lebendig ist, worüber gesprochen wird, Nietzsche wiederum sehr wohl am Leben ist), ist ein anderer Satz in Wirklichkeit von viel größerer Bedeutung – nämlich jener britischer Methodisten, die von sich gaben, dass “unser Gegner nicht der Atheismus, sondern die Apathie [ist]“.
Damit dürften sie wohl Recht haben, denn sobald niemand mehr über Gott spricht, respektive sich für diese Idee interessiert, kann man tatsächlich von einer Beerdigung des Glaubens sprechen. Dass dies aber nicht im primären Interesse österreichischer Atheisten liegt, wird schnell deutlich, hört man sich zur Abwechslung auch einmal deren Erläuterungen an. Ihnen geht es nämlich vor allem um eine rechtliche Gleichstellung Gläubiger, Ungläubiger und solcher, die einen staatlich nicht anerkannten Glauben pflegen. Diese ist selbst im angeblich säkularen Österreich mitnichten gegeben, denkt man beispielsweise an die Subventionierung von Religionslehrern, glaubensbasierten Lehrgängen oder ganz allgemein kirchlichen oder kirchennahen Vereinen. Dass die Beleidigung “religiöser Gefühle” mit bis zu sechs Monaten Gefängnis geahndet werden kann, ist dabei nur der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt.

Spannend bleibt, wie sich die Causa entwickelt. Um einen nachhaltigen Effekt zu erzielen, müsste – trotz der schon jetzt vergleichsweise überwältigenden Resonanz – deutlich mehr Öffentlichkeitsarbeit erfolgen. Diese kostet in den meisten Fällen Geld, eine offensive Spendenkampagne wurde jedoch noch nicht eingerichtet.
Obwohl Niko Alm als Hauptfinancié und -orgnisator der Aktion sicherlich zurecht die Entscheidungen trifft, wäre auch ein wenig mehr Mitspracherecht von Unterstützerinnen und Unterstützern wünschenswert – also in etwa so, wie es die deutsche Buskampagne mit ihrer Slogan-Wahl vorgemacht hat.
Und zu guter Letzt müssen natürlich alle Befürworter der Bestrebungen am Ball bleiben – auf dass sich die Thematik nicht so schnell wieder verliert, wie sie an die Öffentlichkeit getreten ist.

Links
» Atheist Bus Campaign Austria
» Auch der Zwischenrufer meldet sich zu Wort

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Von Steuern und Initiativen

2. Juli 2009 von Mathias · Keine Kommentare · Kurze Gedanken, Politik

Nach neuesten Studien fließe derzeit bereits mehr als eine Milliarde Euro via online-gaming ins Ausland. Resultat ist, dass das Volumen an Steuern und Abgaben aus dem Glückspielmonopol massiv schrumpft. Bis 2012 wird bereits eine Summe von bis zu sechs Milliarden Euro an Geldabfluss ins Ausland durch online-gaming prognostiziert. Darüber hinaus verzichtet der Finanzminister auf jährlich rund 300 Millionen Euro an Steuern und Abgaben nur im Bereich des Automatengeschäfts, weil eine dringend notwendige Regulierung nach wie vor fehlt.

schreibt Peter Westenthaler in einer Presseaussendung bezüglich des neuen Glücksspielgesetzes.

Das ist bezeichnend, denn der BZÖ-Politiker tut hier so, als hätte Österreich ein Anrecht auf die Steuern der hier lebenden Spieler, als wäre so etwas wie ein internationaler Markt entweder nicht vorhanden oder eine Art Unrecht, das es zu beseitigen gilt. Das zeugt allerdings nicht so sehr davon, dass der gute Mann den Lauf der Zeit verschlafen hätte, sondern eher von einem Symptom, an dem jeder Politiker krankt: Geldgier.
Dabei geht es auch, aber natürlich nicht nur um das eigene Geld. Der monatliche Bezug eines jeden angestellten Politikers ist immerhin fix und dafür sind (klarerweise) immer finanzielle Mittel vorhanden. Die Sache betrifft vielmehr den Etat, die Geldsummen, die jeder Volksvertreter zur Verwirklichung der von ihm angestrebten Projekte zur Verfügung hat. Und hierbei gilt: Umso weniger der Fiskus insgesamt hat, desto weniger bleibt auch jedem Einzelnen übrig. Klar, dass da eine gewisse Form des Neids aufkommt, wenn plötzlich Millionenbeträge in andere Länder abfließen, man selbst aber mit immer weniger auskommen muss.

Doch genau dieses Denken ist schlichtweg falsch und das, was mir Politiker so unsympathisch erscheinen lässt. Sicher: Sie meinen es alle gut, jeder aus seiner eigenen, subjektiven Sicht. Nur ist das Hantieren mit eigentlich fremden Geldsummen, die noch dazu mit Gewalt in den eigenen Besitz gebracht wurden, für sich schon etwas zutiefst unmoralisches, das sich durch noch so hehere Gründe kaum rechtfertigen lässt. Jeder einzelne Politiker will irgendwie die Welt verändern und braucht dafür natürlich auch ein Budget, doch warum begibt er sich – statt das gängige System auszunutzen – nicht einfach auf die Suche nach einer Basis von Freiwilligen, die das mit ihm gemeinsam anpacken wollen und dazu auch bereit sind, einen Teil ihres Einkommens dafür zu opfern? Man könnte jetzt einwenden, dass dieses System durch Wahlen bereits etabliert ist und man quasi durch seine Stimme all die Projekte unterstützt, die sich die jeweilige Partei auf die Fahnen geschrieben hat. Allerdings sollte jedem schnell einleuchten, dass dies eine sehr indirekte, intransparente und vor allem willkürliche Sache ist. Immerhin garantiert mir niemand, dass Wahlversprechen einerseits eingehalten werden, andererseits die von mir präferierte Gruppierung überhaupt Teil einer entscheidungsfähigen Mehrheit wird. Und im schlimmsten Fall wird mein Steuergeld für Dinge verwendet, die ich grundsätzlich moralisch oder auch nur in ihrer tatsächlichen Umsetzung ablehne.

Damit muss man leben. Muss man damit leben? Oder wäre die Idee eines Minimalsstaats, der sich gerade um das “Notwendigste” kümmert (müsste natürlich individuell definiert werden), gleichzeitig aber durch viele Privatinitiativen unterstützt wird, nicht eine weitaus zukunftsträchtigere?
Sicher – die Privilegienreiter hätten damit wohl alles andere als ihre Freude. Immerhin würde der Beamtenstand drastisch reduziert und die Initiatoren diverser Belange könnten sich nicht mehr einfach aus dem Steuertopf bedienen, sondern müssten tatsächlich Menschen finden, die ihre Anliegen nicht nur körperlich bzw. geistig, sondern vor allem finanziell unterstützen.
Aber ist nicht gerade das Demokratie? Es muss ja nicht immer die Mehrheit sein, die gefunden wird – auch eine kleine Gruppe kann versuchen, die Welt zu verbessen. Mit dem Unterschied, dass jeder in ihr dies dann freiwillig, selbstbestimmt und somit auch mit dem bestmöglichen Engagement tut.

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