Im Zuge der “Mohr im Hemd”-Debatte ist auch öfters der Aspekt beleuchtet worden, dass schon der Firmennamen “Eskimo” ja eigentlich nicht ganz koscher sei – immerhin weiß heutzutage bereits jedes Kind politisch korrekter Eltern, dass es sich dabei in Wirklichkeit um eine böse Diskriminierung nördlicher Völker als “Rohfleisch(fr)esser” handelt. In unseren Kreisen wird demzufolge das Wort “Inuit” als entsprechende Bezeichnung angeraten.
Interessant wird es für den aufgeklärten Menschen jedoch, wenn er sich ein wenig auf Wikipedia umsieht. Dort ist nämlich Folgendes zu lesen:
“Eskimo” ist eine ursprünglich von Cree- und Algonkin-Indianern verwendete Sammelbezeichnung für die mit ihnen nicht verwandten Völker im nördlichen Polargebiet. Das Wort soll sich nach Auffassung von Ives Goddard [...] etymologisch aus dem Cree-Wort “aayaskimeew” = “Schneeschuhmacher” herleiten.
Der Linguist Jose Mailhot aus Québec, der die Sprache Innu-Montagnais beherrscht, veröffentlichte 1978 eine Untersuchung, in der er den Begriff aus dieser Sprache ableitet und mit “Menschen, die eine andere Sprache sprechen” übersetzt.
Die frühere linguistische Herleitung aus der Sprache der Anishinabe “ashkipok” = Rohfleischesser gilt heute als widerlegt und lässt sich daher nicht mehr vertreten. Diese frühere Worterklärung führte bei den Inuit zur Ablehnung des Wortes “Eskimo”, da sie “Rohfleischesser” als abwertend empfanden.
(Quelle mit weiteren Quellangaben)
Aber selbst unter den nördlichen Völkern scheint man sich mit der politisch korrekten Bezeichnung nicht ganz einig zu sein. So heißt es im Eintrag zu “Inuit“:
Die Bezeichnung Eskimo(s) wird zwar häufig im selben Wortsinn angewandt, doch handelt es sich streng genommen hierbei um einen Oberbegriff, der auch entfernter verwandte arktische Volksgruppen mit einbezieht. Hingegen ist der Begriff “Inuit” deshalb für übergeordnete Verwendung wenig geeignet, weil er nicht im Wortschatz aller im Umkreis des Nordpols lebenden eskimoischen Volksgruppen enthalten ist.
[...]
Die Verwendung des Begriffs “Eskimo” ist rückläufig, “Inuit“ ist jedoch kein Synonym. Daher hat sich “Inuit” als alternative Vokabel im nordwestlichen Kanada, in Alaska und auf der Tschuktschen-Halbinsel bislang nicht durchgesetzt: Die dort lebenden Volksgruppen haben die Vokabel nicht in ihrem Wortschatz; sie bezeichnen sich zwar ebenfalls als “Mensch(en)”, doch je nach Sprachgruppe mit den Wörtern “Inupiat”, “Sugpiaq” und “Yupik“. Die Inupiat z. B. sehen sich nach wie vor als “Eskimo(s)” an und halten das keineswegs für herabsetzend. Bei den im mittleren Norden und im Nordosten Kanadas lebenden Inuit sind die Auffassungen in dieser Frage dagegen unterschiedlich: Während die einen die Bezeichnung “Eskimo” als politisch inkorrekt einstufen und sich ausschließlich als “Mensch(en)” (= Inuk/Inuit) bezeichnet sehen möchten, nennt sich die in Inuit-Besitz befindliche, international durch den Vertrieb von Inuit-Kunst bekannte Kooperative von Cape Dorset im Territorium Nunavut seit ihrer Gründung unverändert “West Baffin Eskimo Cooperative”.
Man merke: Als nicht betroffener Europäer kann man sich mit vermeintlich politischer Korrektheit ganz schön vertun. Würde man hier dieselbe Taktik anwenden, die bei der Untermauerung von “Mohr im Hemd” als diskriminierende Bezeichnung verwendet wurde – nämlich die alleinige Berufung auf einen Sprecher der Black Community -, käme man, je nach Präferenz, zu zwei völlig verschiedenen Resultaten: Einerseits zu dem, dass “Eskimo” diskriminierend ist, andererseits zu jenem, dass es völlig in Ordnung ist, “Eskimo” als Überbegriff zu verwenden und für die einzelnen Volksgruppen dann spezielle Begriffe wie eben “Sugpiaq” oder “Yupik” einzusetzen.
Wie immer ist es also von Vorteile, verschiedene Meinungen einzuberufen und den Blick für das Gesamte zu wahren. In dieser Hinsicht wäre es also interessant, würden sich andere Mitglieder der (sehr offenen) Black Community hinsichtlich des Mohrs im Hemd zu Wort melden. Erst dann lässt sich vernünftig debattieren, ob man überhaupt von einem “Diskriminierungsgefühl der Betroffenen” sprechen kann.



